Ich habe gerade eben meinen 300. Täglichlauf hintereinander vollbracht. Es war ein Lauf bei eisigen Temperaturen über eisgefrorenen Schnee. Heute morgen zeigte das Thermometer -7 Grad an, heute nachmittag nur noch -2 Grad. Doch man spürt eine Wetteränderung. Wolken ziehen auf, die Schnee und / oder Regen bringen sollen, so hat es der Wetterdienst angekündigt.
Es war ein unspektakulärer Lauf ganz gemütlich zum See und wieder zurück. Trotz der eisigen Temperaturen seit einigen Tagen gibt es noch immer ein recht großes Stück, das noch nicht zugefroren ist. Hier tummeln sich, wie an den vergangenen Tagen auch, viele Wasservögel. An anderen Stellen wagten sich Kinder auf das vermutlich noch viel zu dünne Eis, ein unter Umständen lebensgefähriches Spiel. Heute begegnete ich einigen Spaziergängern, alle sehr warm eingepackt. Viele grüßten heute freundlich. Walker sind weniger unterwegs, jedoch einige wenige andere Läufer, die ebenfalls freundlich grüßten.
Vor allem die letzten 100 Tage meiner insgesamt 300 Tage waren nicht so einfach. Lange Zeit hat mich mein rechter Fuß schmerzlich geplagt. Mittlerweile kann ich wieder ganz gut damit laufen. Eine weitere Herausforderung stellt seit einigen Tagen auch das Wetter an uns. Es ist ein strenger, langer, kalter Winter mit immer wieder neuen Schneefällen. Eine Ende ist auch noch nicht absehbar. Doch bin ich erst einmal warm eingepackt auf meiner Piste, stelle ich immer wieder fest. Am schwierigsten ist der erste Schritt. Wenn es erst einmal läuft, macht mir die Kälte nicht mehr viel aus, ich schwitze und fühle mich wohl. Wenn der Schnee frisch gefallen ist oder gar wenn es während des Laufes schneit, sieht alles wie im Märchen aus. Die Bäume, jeder Ast, jeder Strauch, alles hat eine weiße Puderschicht. Auch der zugefrorene See sieht so ganz anders aus als im Sommer. Die Geräusche sind viel dezenter und leiser.
Trotz aller Widrigkeiten vor allem in den letzten 100 Tagen kann ich feststellen, dass ich nicht einen einzigen Lauf bereut habe. Noch immer freue ich mich jeden Tag auf meinen Lauf. Ich habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, die mich darin überzeugen, dass mein eingeschlagener Weg des täglichen Laufens der Richtige ist. Kleinere Wehwehchen und körperliche Blessuren lassen sich auch oder vielleicht gerade so besser ertragen und beheben. Auch mein Gemüt ist eine Spur gelassener geworden. Der Mensch ist nicht zum ständigen Stillsitzen und Nichtbewegen geschaffen. Er will bewegt werden, am besten täglich. Doch man kann wirklich nicht ahnen, wie lange es tagtäglich so weiter gehen kann. Gerade der eigene Körper kann einem jeden Tag einen Strich durch diese Rechnung machen. Umso wichtiger ist es, behutsam mit sich und den eigenen Kräften umzugehen. Ich will zufrieden damit sein, dass ich tagtäglich laufen kann, egal wir lang oder kurz meine Strecken sind, egal wie schnell oder langsam ich laufe. Die Zufriedenheit an sich, das Entspannen und Genießen in der Natur ist das Ziel eines jeden Laufes. Das erreiche ich in der Hektik dieser Zeit durch nichts anderes besser als durch meine geliebten täglichen Läufe.