Heute ist Rosenmontag, kein normaler Tag im Rheinland, ein Feiertag, wie man ihn nicht besser titulieren kann. Ich bin zwar kein Karnevalist, trotzdem erfreue ich mich an den arbeitsfreien Tag heute. Der Wecker schellt nicht wie sonst üblich um 4.30 Uhr, ich kann ein bißchen länger schlafen.
Als ich endlich bereit zum Aufstehen bin, geht mein erster Blick auf das Thermometer auf meinen Balkon. Schon wieder -2 Grad, ein bißchen weiter weg vom Haus locker noch 2 - 3 Grad kälter, brrrrr. Ein Blick aus dem Fenster, schon wieder hat es geschneit, auch das noch. Der Winter will kein Ende nehmen. Eigentlich würde ich jetzt doch lieber noch ein wenig im warmen Bett bleiben. Ich bin diesen langen harten und kalten Winter einfach so was von leid, dass ich am liebsten nur noch die Decke über den Kopf ziehen möchte, um nichts mehr davon mitzubekommen. Doch ich laufe täglich, da gibt es auch heute kein Zurück.
Nach dem Frühstück folgt wie jeden Morgen mein ca. 20-minütiges Gymnastikprogramm. Danach überlege ich, was ich zum Laufen anziehen soll. Die vielen kalten Tage machen das Gemüt ein bißchen empfindsamer und ich ziehe etwas mehr an als noch gestern und vorgestern. Wenn ich mich da schon wieder raustraue, will ich auf keinen Fall frieren. Noch die Schuhe, die Jacke, die Mütze und die Handschuhe an, die Lippen dick eingefettet, so bin ich zumindest äußerlich bereit für einen weiteren Winterlauf.
Die ersten Schritte draußen, igitt und brrr, ich will da nicht durch. Doch wenn man täglich läuft, gibt es kein zurück. Auf was habe ich mich da eigentlich eingelassen und dann auch noch völlig freiwillig ohne irgendwelchen Druck. Die ersten Schritte laufen besser, als ich mir vorher vorstellen konnte, recht locker. Ein Stück durch das Wohngebiet, dann die Neue Krefelder Str. hoch bis dass ich nach etwas mehr als 1 km am See ankomme. Sofort ist die Atmosphäre eine andere, eine viel ruhigere. Bisher säumten meinen Weg viele Autos mit entsprechender Geräuschkulisse. Diese ist nun von jetzt auf gleich vergessen. Mich empfängt ein fast schon gewohntes Bild von Weiß auf sonst grünen Wiesen, dunklen Wegen, man muss den Weg mit dem Auge richtig suchen, weil alles weiß in weiß ineinander übergeht. Auch das Eis auf dem See ist weiß. Auf den Ästen der Bäume und Sträucher ist ebenfalls eine weiße Schicht. Mir fällt beim Laufen am See auf, dass die Eisfläche im Gegensatz zu gestern viel größer geworden ist. Da wo sich gestern noch Wasservögel im kalten Naß tummelten ist nun eine zarte dünne Eisschicht. Man sieht fast noch den letzten Wellenschlag, bevor das Wasser sich zu Eis wandelte. Ohne Brille sehe ich noch einmal ganz genau hin, nein da ist kein Wasser mehr, es ist zu Eis gefroren. Hier ist auch die Schneeschicht eine ganz dünne. Von den Vögeln ist hier weit und breit nichts mehr zu sehen und auch nicht zu hören. Ein ganzes Stück weiter hört man sie dann doch wieder. Es gibt vereinzelt noch kleine Stellen, die nicht zugefroren sind. Hier hört man das Konzert der Tiere doch noch. Ein schönes Geräusch in dieser stillen Atmosphäre, so viel angenehmer als das Geräusch der Autos auf den Straßen. Es sind wenige Walker unterwegs, noch weniger Läufer und nur vereinzelt Menschen mit Hund. Mittlerweile habe ich die Eiseskälte längst vergessen, ich schwitze wie blöde. Bin viel zu warm angezogen. Was war ich denn heute morgen nur für eine Frostbeule. Ist ja nicht zu fassen. Ich genieße mittlerweile die angenehme rhythmische Bewegung in dieser schönen Gegend. Bald habe ich die Hälfte meines Pensums erreicht, kehre um und laufe den gleichen Weg wieder zurück. Entspannt und zufrieden gehe ich am Ende wieder die Treppen zu meiner Wohnung hoch. Ich habe auch den 319. Tag meiner Täglichlaufserie geschafft, obwohl gerade heute früh mein warmes Bett mehr als verlockend war. Ich habe diesen Lauf alles andere als bereut. Er hat wieder einmal richtig Spaß gemacht.