Noch vor drei Tagen bin ich durch frischen Neuschnee gelaufen. Einen Tag später war er platt getreten und ein wenig glatt. Gestern waren bei Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt die Straßen schneefrei, jedoch die natürlichen Wege am See noch immer mit Schnee und Eis bedeckt. Ich befürchtete für den heutigen Lauf nichts Gutes.
Es hat die ganze Nacht geregnet und die Temperaturen gingen nicht mehr unter 0 Grad. Als es hell wurde draußen hing eine neblige Schicht über Duisburg, es wollte nicht richtig hell werden. Gegen Mittag zeigten sich dann die ersten Sonnenstrahlen. Nun war mein Feierabend nahe und ich freute mich sehr auf meinen heutigen Lauf.
Bis dass ich Zuhause war, klärte sich der Himmel komplett auf, er war blau und die Sonne schien, wie schon lange nicht mehr. Mein Autothermometer schwankte zwischen 6 und 7 Grad hin und her. Ich mußte sogar den Sonnenschutz runterklappen, weil die tiefe Sonne blendete. Welch eine Wohltat für die Seele.
Jetzt nur noch schnell Umziehen und dann ab auf die Laufpiste. Ich war für diese Wärme doch glatt zu warm angezogen, das spürte ich schnell. Aber das war mir egal. Ich wollte nur eins, die Sonne spüren. Ich hatte sie viele lange Wochen vermißt und statt dessen mit Schnee und Eis vorlieb nehmen müssen. Am See angekommen gab es noch einige matschige Stellen, die sehr wässrig waren. Doch sie waren nicht so arg, dass man nicht doch dort lang laufen konnte. Noch nicht einmal nasse Füsse bekam ich. Die Eisschicht auf dem Wasser war schon viel kleiner geworden. Jetzt fiel mir auch auf, dass die Wirtschaftsbetriebe viele Sträucher doch arg zurückgeschnitten hatten. Das sah an manchen Stellen schon komisch aus.
Ich hatte meinen Spaß am eigenen Schattenspiel. Dem eigenen Schatten hinterher zulaufen war mir heute ein besonderes Vergnügen. Egal wie schnell oder langsam man läuft, der Abstand verändert sich nicht, man holt ihn nicht ein und er hängt einen auch nicht ab. Außer man ändert die Laufrichtung, so dass er plötzlich von einer anderen Seite kommt. Eigentlich nichts Neues, doch das zu beobachten, bereitete mir heute besonderen Spaß. Meine Umwelt nahm ich heute als blaß und farblos wahr. Das Grün ist noch nicht wirklich grün und die Sträucher und Bäume natürlich noch kahl. Doch es wird mir ein Vergnügen sein, die sicher bald eintretenden Veränderungen tagtäglich beobachten zu können. Die Wasservögel nahm ich umso lauter wahr. Sie hatten heute auch irgendwie mehr Spaß als sonst, so schien es mir. Als würde nicht nur ich sondern die ganze Umwelt um mich herum aufatmen, dass nun doch ein Hauch Frühling zu spüren ist. Ich hoffe doch sehr, dass der Winter nicht noch einmal zurück kommen wird.
Mein heutiger Lauf war mir unter diesen Bedingungen ein besonderes Vergnügen.