Der Winter ist nun eindeutig auf dem Rückzug. Die Temperaturen liegen fast ständig über dem Gefrierpunkt. Lediglich manchmal nachts friert es noch ein wenig. Gestern Abend allerdings fielen noch einmal dicke Schneeflocken vom Himmel. Ich traute meinen Augen kaum. Heute morgen waren viele Stellen wieder weiß, die Straßen und Bürgersteige jedoch nicht. Es kostet mich nun keine Überwindung mehr, zum Laufen raus zu gehen. Nun überwiegt ganz klar die Vorfreude darauf.
Als ich loslief, war die Luft schwer und feucht. Seit ein paar Tagen genieße ich es, ohne Mütze und Handschuhe zu laufen, welch eine Wohltat. Der Winter hat bei mir bewirkt, daß ich mich über solche Kleinigkeiten freuen kann. Auch jeder noch so kleine Sonnenstrahl löst Freude aus. Noch im Spätsommer und Herbst ließ mich so etwas fast gleichgültig. Gar im Sommer wünschte ich mir statt der Sonne häufig Regen herbei. Nun, wo man fast davon entwöhnt ist, sehnt sich die Seele nach Sonne und ein bißchen Wärme. Der Winter ist eben nicht spurlos an mir vorüber gegangen.
Am See angekommen sind die Wege von dieser schweren, matschigen aber sehr dünnen Schneeschicht bedeckt. Ab und zu gibt es dunkle Lücken davon. Ich liebe diese ruhige, friedliche Atmosphäre. Sie ist es mir wert, dass ich so zeitig morgens aufstehe und laufen gehe. Ein paar Stunden später kann es sein, dass hier viel mehr Betrieb ist und ein solcher Lauf zum Slalomlauf um Menschen herum würde. Das Gegackere vom See ist nun richtig laut. Die Vögel haben den Winter auch längst hinter sich gelassen. Die wenigen Wildgänse hört man heraus. Ihre Laute erinnern mich immer an alte Autohupen. Man hört sie schon von weit her. Dann flogen zwei Schwäne über mich hinweg. Deren Flügelschlag hörte man ebenfalls schon weit vorher. Man hört richtig den sausenden Wind, den die großen Schwanenflügel bei jedem Schlag hinterlassen. Es sind noch zahlreiche Enten da und noch kleinere schwarze Wasservögel in großer Anzahl, deren Namen ich nicht kenne. Die kleinen Singvögel nehme ich erst im kleinen Wäldchen wahr. Deren Konzert ist viel feiner. Häufig sieht man nun auch wieder Eichhörnchen irgendwo langeilen. Sie haben es immer eilig, sind irgendwie immer auf der Flucht, so scheint es mir. All das sind unmissverständliche Vorboten des Frühlings. Der Winter zeigt sich in seinen letzten Zügen. Nicht mehr lange und die Laufkleidung wird dünner und weniger. Ich sehne schon jetzt den Tag herbei, wo man wieder in kurzer Kleidung ohne Jacke dort langlaufen kann. In 1 - 2 Monaten ist es sicher so weit.