Heute Nacht hatte es noch gefroren, es war ganz schön kalt da draußen. Doch es war auch ein gutes Zeichen. Es würde endlich mal wieder ein Tag ohne graue Wolken geben. Der Tag wurde früher hell als sonst. Die Sonne kam heraus und ließ den Himmel im schönsten Blau erstrahlen.
Die Zeit bis zum Feierabend zog sich dahin, obwohl ich mehr als genug zu tun hatte. Trotzdem, immer wieder schweifte mein Blick sehnsüchtig nach draußen. So gerne wollte ich einen so schönen Frühlingstag lieber draußen verbringen, als im Büro zur mehrstündigen beinahe Bewegungslosigkeit auf dem Stuhl am Schreibtisch. Etwas später als gewohnt war dann endlich Feierabend. Nun konnte mich nichts und niemand mehr aufhalten. Es gab nur noch einen Weg, den schnellsten nach Hause. Dann raus aus den Büroklamotten und rein in die viel schöneren und vor allem knall bunten Laufsachen. Ich zog heute ein pinkfarbenes Shirt an. Meine beiden Vögel haben immer Angst vor mir, wenn ich das anziehe. Ich mag solche knallbunten Farben jedoch gerne.
Dann endlich lief ich los. Ach was war das für eine Freude, der Sonne entgegen zu laufen. Schnell war ich am See, hier war es natürlich noch um einiges schöner als zuvor auf der viel befahrenen Hauptstraße. Es waren mehr Menschen unterwegs als noch gestern, als es in Strömen regnete. Ich laufe ja auch gerne, wenn es regnet. Doch dieser Sonnenschein nach so vielen grauen trüben Tagen hatte schon etwas Befreiendes. Man möchte am liebsten laut aufschreien und jubeln. Eine so große Wohltat für die Seele. Es lief unter diesen Bedingungen heute so viel leichter noch als gestern, als sich meine Beine müde und schwer anfühlten. Heute liefen sie wie ferngesteuert einfach nur gut. Ich lief meine fast schon üblich Runde um den See herum. Man könnte meinen, es ist immer das Gleiche. Doch das ist es wahrlich nicht. Jeden Tag stelle ich aufs Neue Veränderungen fest. Mal ist es das Wetter, mal sind es die Menschen, die einem mehr oder weniger entgegen kommen. Ein anderes Mal sind es die vielen Wasservögel auf dem See. Allerdings, an einer Stelle war heute besonders viel los, da einige wieder mal Unbelehrbare die Tiere fütterten. Da war das Geschrei der Vögel groß. Sie kamen von überall her, um einen Teil der Beute abzubekommen. Doch solange offiziell gegen so etwas nichts unternommen wird, werden die Tiere dauerhaft die Verlierer der Taten dieser wenigen Unbelehrbaren sein. Etwas ärgerlich mit diesen Gedanken lief ich jedoch kommentarlos weiter. Ich wollte diesen schönen Tag so gut es ging genießen. Fast schon war ich traurig, als meine Runde um den See vollendet und nur noch die Straße bis nach Hause auf mich wartete. Es war mal wieder ein richtig schöner Frühlingslauf. Nicht mehr lange und man wird überall frisches Grün sprießen sehen. Ich bin schon ganz gespannt darauf.