Es reicht den Wenigstens, einfach nur zu laufen und sich dabei wohl zu fühlen. Es muss ganz schnell ein 10-km-Wettkampf, Halbmarathon, Marathon und manchmal noch mehr sein. Hat man damit einmal angefangen, reicht es nicht aus, so etwas mitzumachen, nein, man will immer schneller, weiter, besser werden. Ich war/bin darin nicht wirklich anders als alle anderen.
Ich habe seit Ende Januar ein Garmin Forerunner 305, der auch meinen Puls misst. Seit dem laufe ich bewußt langsam, um den Puls niedrig zu halten. Es ist interessant festzustellen, wie der Puls immer ruhiger wird, von Lauf zu Lauf. Gerade nach Büroschluss vor Beginn eines Lauf bis zum Ende, sehr häufig fühle ich mich innerlich nervös und unruhig. Laufe ich los, merke ich das sofort an meinem Puls, der zunächst recht hoch ist. Ich spüre es auch, wenn ich in mir reinhorche. Der Rhythmus der Beine, der nicht im Einklang ist mit meiner Atmung. Alles ist so unrund. Habe ich die ersten 1 bis 2 km hinter mir, beruhigt sich das allmählich. Der Puls geht runter und irgendwann ist da ein angenehmer Rhythmus zwischen meinen Schritten und der Atmung. Es fühlt sich harmonisch und gut an, ist überhaupt nicht anstrengend, die Gedanken gehen ungesteuert ihren eigenen Weg und ich fühle mich richtig wohl. Das ist ein sehr schönes Gefühl für mich. Am Ende des Laufens bin ich ein sehr ausgeglichner und zufriedener Mensch. Das ist es, was ich so am Laufen mag und mir so viel mehr wert ist, als irgendwelche Rekorde beim Tempo oder der Distanz.
Ich muss seit ca. 10 Jahren jeden Morgen meine Tabletten gegen meinen doofen Bluthochdruck nehmen. Für mich wäre es so viel mehr wert, wenn ich durch meine Lauferei irgendwann erreichen könnte, eine geringere Medikamentendosis einnehmen zu können oder vielleicht ganz darauf zu verichten. Das wäre mein persönlich größter Sieg, zweifellos.
Ob ich da wirklich ein Chance habe, weiß ich nicht, bezweifel ich ein wenig. Bluthochdruck hat die halbe Familie väterlicherseits, ich bin nicht übergewichtig und habe die meiste Zeit meines Lebens gerne Sport getrieben. Ich weiß, es gibt schlimmere Schicksale, als Bluthochdruck zu haben. Aber trotzdem, wenn diese für mich neue Art des Laufens zu einer Verbesserung führen würde, würde ich mich darüber tierisch freuen. Doch selbst, wenn ich dieses für mich heroische Ziel vielleicht niemals erreichen kann, ist es dennoch wunderbar, beim Laufen dieses wunderbare Gefühl der Zufriedenheit, manchmal auch des Glücks zu fühlen. Auch das ist doch mehr wert, als irgendwelche Rekorde, oder?