Das erste was ich von dem heutigen Tage mit bekam, war der heulende Wind. Später hörte ich an den Geräuschen der Straße, dass es regnete. Das Thermometer auf meinen Balkon zeigte lausige 5 Grad an. Alles zusammen nicht gerade einladend, um am frühen Samstag morgen raus zum Laufen zu gehen.
Dennoch zögerte ich nicht eine Minute. Ich wußte, nur der erste Schritt ist der schwerste, der Rest würde von alleine gehen. Zu Beginn war es ein Nieselregen, der aber zwischendurch dicker wurde. Ich lief heute mal wieder zu den Rheinwiesen. Als ich den Kruppsee hinter mir hatte, war da freies Feld. Der Ostwind fegte mir den mittlerweile dicker gewordenen Regen samt kleinen Graupeln kräftig ins Gesicht. Es tat richtig weh. Ich stemmte mich gleichzeitig gegen den stürmischen Wind. Was mach ich hier eigentlich so früh am Morgen bei so einem Wetter, fragte ich mich? Doch mir ging es nicht wirklich schlecht, sondern ich fühlte mich trotz allem pudelwohl. Ich spürte die Kraft in meinem Körper und die Graupeln, die mein Gesicht trafen, empfand ich schließlich als angenehme Gesichtsmassage. Mancher würde für so eine Behandlung teures Geld bezahlen. Mutter Natur verwöhnte mich nun kostenlos damit. Ich richtete mich während des Laufens stolz auf. Ich fühlte mich stark genug, den Witterungsbedingungen zu trotzen und meine Runde wie geplant zu laufen und auch zu genießen. Am Deich angekommen waren die Wege, wie nicht anders zu erwarten, von Pfützen umsäumt. An manchen Stellen war es recht arg. Doch ich machte mir nichts draus. Sie waren nicht tief, also lief ich einfach durch. Mir begegnete heute mal wieder kein einziger Mensch, weder am Kruppsee noch in den Rheinwiesen. Die Ruhe und die Einsamkeit gehörten mir ganz allein. Der Rhein hat wieder einen normalen Wasserstand. Naja, normalerweise hat er um diese Jahreszeit meistens ein wenig Hochwasser. Fällt wohl dieses Jahr aus. So kann ich wenigstens ab und zu auch hier meines Weges lang laufen.
Seit Mittwoch habe ich nun Einlagen. Sie tun meiner rechten Ferse gut, zweifellos. Doch dem linken Fuß behagen sie nicht so. Habe mir nach zwei Tagen eine Blase zugezogen. Der Schuhorthopäde hat noch einmal eine Kleinigkeit verändert. Doch die kleine Wunde muss erst ein wenig verheilen, bis dass ich damit wieder loslaufe. Der heutige etwas längere Lauf war dafür nicht geeignet. Da gestern auch der rechte Fuß, bis auf die Ferse ein wenig Eingewöhnungsprobleme zeigte, habe ich es vorgezogen, heute ganz ohne Einlagen zu laufen. Ich denke, bis die Füße sich an das Neue gewöhnt haben, ist es ganz gut, zwischendurch alle 2 - 3 Tage mal ohne zu laufen. Irgendwann habe ich mich dran gewöhnt und dann geht es nur noch mit.
Heute hatte ich in den Rheinwiesen zum größten Teil angenehm weiche Wege. Sie waren kein Problem für mich.
Als ich wieder Richtung Heimat lief, fegte der Wind diesmal ordentlich von hinten. Ich breitete meine Arme aus und ließ mich vom Wind tragen. Wie es sich wohl anfühlen mag, wenn man nun wenigstens ein kleines Segel dabei hätte? Ich stelle es mir toll vor.
Am Ende hatte ich 11,35 km in 82,15 Min. gelaufen. Bin mit mir und meiner Welt somit zufrieden.