Meine Lauferlebnisse, Ziele und Tagtägliches sollen hier erscheinen. Vielleicht interessiert das ja andere Menschen?
Angeregt durch tolle Fotos und die Verlockung, mal einen ganz anderen, ganz besonderen Lauf mitzumachen, hatte ich mich im April diesen Jahres für den Run am Ring am Nürburgring in der Eifel angemeldet und zwar nicht für irgendeinen, sondern für die 24,4 km lange Nordschleife mit ca. 500 zu bewältigenden Höhenmetern. Weder hatte ich seit meinem Neubeginn vor zwei Jahren so eine lange Distanz gelaufen und erst recht nicht soviele Höhenmeter. So etwas findet man am Niederrhein nicht. Deshalb machte ich zur Vorbereitung einige lange Läufe über 20 km und mehr und außerdem ging ich fast nach jeder Mittagspause die Treppen hoch zur 16. Etage, wo mein Büro ist. Ist sicher nicht das Gleiche, wie das, was mich am Nürburgring erwarten würde, aber immer noch besser als nichts.
Je näher der Termin des Laufes rückte, desto nervöser wurde ich. Ich war mir alles andere als sicher, ob ich diesen Lauf vor allem in der vorgegebenen Zeit von 3:45 Std. schaffen würde. Es war schließlich völliges Neuland für mich.
Heute morgen ging es wieder einmal sehr früh los. Gegen 5.30 Uhr startete ich meinen Weg Richtung Nürburgring in der schönen Eifel. Zuhause zeigte mein Thermometer 19 Grad an, unterwegs in der Eifel teilweise nur 10 Grad. Am Zielort angekommen schien die Sonne, wie sie schöner nicht scheinen kann, der Himmel war blau und man konnte es sehr gut ohne Jacke aushalten. Ich besorgte mir meine Startunterlagen, traf noch einige Bekannte und begab mich dann in den Startbereich.
Dort wurde es kurz vor dem Start noch einmal gänsehautmäßig. Zur Einstimmung wurde ca 5 Min. vor Start "Highway to hell" gespielt, alle hüpften, klatschten und sangen mit. Dann wurden die letzten Sekunden heruntergezählt und schon fiel der Startschuss. So eine Gänsehaut hatte ich schon lange nicht mehr. Recht zügig konnte man loslaufen.
Die ersten 1 - 2 km lief man vorbei an die vielen Radler-Zelte, ein 24 Std.-Rad-Rennen sollte nach unserem Lauf stattfinden. Die Menschen dort wünschten uns viel Glück und spendeten Beifall.
Ich ließ es betont langsam angehen, hatte mich bereits am Start ganz hinten angestellt. Es dauerte nicht lang, bis dass ich die Rote Laterne hatte. Aber das war mir für diesen schweren Lauf wirklich egal. Ich wollte ihn einfach nur schaffen. Die Zeit sollte wirklich sekundär sein. Es war gleich schon recht warm, die Sonne brannte, dass es mir fast schon zuviel wurde. Doch ich wollte keine schlechten Gedanken aufkommen lassen und beschäftigte mich weiter nicht damit. Die ersten 12 km gingen bis auf wenige Ausnahmen stetig bergab. Dadurch lief es leicht und locker und ich lief für meine Verhältnisse recht schnell. Schon bald war ich nicht mehr Letzte in diesem Läuferfeld. Ich ließ meine Beine laufen, wie sie runterlaufen wollten. Ich bremste nicht ab. Es war ein herrliches Gefühl, so leicht und locker darunter zu traben. Nach ca. 8 km spürte ich aber schon bereits meine Oberschenkel. Ein solch permanentes bergab beschäftigt Muskeln, die sonst beim Laufen nicht in dieser Form benötigt werden. Das bekam ich schon zu spüren. Eine für mich total neue Erfahrung. Trotzdem lief ich unbeirrt weiter. Ca. alle 3 km gab es einen Verpflegungsstand. Ich griff immer nach zwei Wasserbechern. Einen trank ich und den anderen schüttete ich über meinen Körper. Ich wollte aufgrund des dauerhaften Sonnenscheins eine Überhitzung meines Körpers vermeiden. Nur ab und zu gab es schattige Abschnitte. Da, wo es bergauf ging, verfiel ich, wie meine Laufkollegen um mich herum auch, in den Gehschritt. Meine Kräfte wollten gut eingeteilt werden. Um einen herum war mittlerweile viel Wald. Es roch nach Wald, ich hörte für mich ungewöhnliche Vogelgeräusche, vermutlich von irgendeinem Greifvogel. Es war schön da. Durch die vielen Abwärts-Passagen war ich schneller unterwegs, als ich mir vorher vorstellen konnte.
Dann kam Km 12 und eine ca. 4 km andauernde stetig steigende Bergaufpassagen, bei der ca. 350 Höhenmeter bewältigt wurden. Ich wußte ja vorher schon, dass ich hier brav hoch gehen würde. Die Menschen um mich herum gingen aber irgendwie alle viel schneller hoch als ich, so dass ich von da an doch recht einsam unterwegs war. Es ging aber zeitlich besser, als ich vorher dachte. Nur meine Oberschenkel spürte ich immer mehr. Eine Anstrengung, mit deren Art ich so nicht gerechnet hatte.
Endlich war ich oben, endlich ging es mal wieder ein Stück bergab. Nun wechselten sich bergauf und -ab Passagen immer wieder ab. Es wurde sehr wellig. Runter bin ich immer gelaufen und hoch gegangen, Anders ging es mittlerweile nicht mehr. Meine Oberschenkel wurden immr schwerer. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Ängste, ob ich den Lauf überhaupt schaffen würde, längst in Gewißheit umgeschlagen: Ja, ich werde es packen! Mir blieb noch genügend Zeit, ich hätte den ganzen Rest auch noch gehen können. Trotzdem war es nicht einfach. Für mich war es sehr ungewohnt ständig zwischen Laufen und Gehen zu wechseln. Es fiel mir nach jedem Gehen schwerer wieder zum Laufen überzugehen. Bei jedem Mal fühlten sich meine Oberschenkel ein bißchen schwerer an.
Ab ca. km 21 - 22 ging es dann nur noch geradeaus. Man konnte weit in der Ferne den Zieleinlauf ahnen. Ich hatte mittlerweile zu einer anderen Laufkollegen aufgeschlossen. Wenn ich lief, überholte ich sie, wenn ich ging, sie mich. Manchmal redeten wir kurz miteinander, aber wir waren beide sicher, wir würden es schaffen.
Was mich nervte, waren die vielen Radler, die mittlerweile immer mehr auf der Strecke waren. Erst nur vereinzelt, dann eben doch immer mehr. Manchmal mußte man sich seinen Weg regelrecht suchen. Dabei waren wir noch immer in der vorgesehen Zeit und zwar noch ganz gut und nicht knapp. Am Schlimmsten fand ich jedoch wirklich die letzten 300 - 400 Meter. Der Veranstalter war schon sehr mit dem Umstellen der Absperrgitter für die nächste Veranstaltung beschäftigt. Einmal machten sie gerade noch mal rechtzeitig für mich ein Absperrgitter auf. Transporter und Lieferwagen fuhren da lang, ich mußte mir meinen Weg sehr suchen. Kurz vor dem Zielkanal war kaum noch ein Mensch da. Keine Ansage, keine Menschen nichts, fand ich schon ein bißchen enttäuschend. Nur die letzten 20 - 30 Meter standen da wenige Vereinzelte da und freuten sich mit mir, dass ich es tatsächlich geschafft hatte. Mit dem Zieleinlauf riß ich meine Arme hoch und freute mich darüber einfach nur tierisch. Die dafür benötigte Zeit von ca. 3:31,51 Stunden ist wirklich zweitrangig. Dafür war der Lauf viel zu anspruchsvoll, als ich dass ich da ein besonderes Augenmerk drauf richten konnte.
Ich suchte mir die letzte Verpflegungsstelle, wo es reichleich von allem gab. Mit der Laufkollegen, mit der ich die letzten Kilometer teilte, unterhielt ich mich noch ein wenig. Auch sie war von dem, was im Zielbereicht abging, enttäuscht. Ich meine, man kann so einen Lauf nicht für 3:45 Std. ansetzen und schon viel früher mit dem Ab- bzw. Umräumen beginnen, oder? Ich finde so etwas vor allem respektlos denjenigen gegenüber, die alles dafür geben, um überhaupt anzukommen. Naja, was solls. Der Lauf an sich war schön, er war gut, aber auch sehr anstrengend. Ich habe ihn geschafft und das ist es was am Ende zählt.