Meine Lauferlebnisse, Ziele und Tagtägliches sollen hier erscheinen. Vielleicht interessiert das ja andere Menschen?
Wenn es kälter und dunkler wird da draußen, möchte man sich an manchen Tagen am liebsten gar nicht raus wagen, sondern sich lieber die Decke über den Kopf ziehen und nichts tun. Gibt man sich dieser Versuchung hin, kann es sein, dass man schneller als einem lieb ist, in ein Depri-Loch fällt. Ich bin da in der dunklen Jahreszeit immer ein bißchen gefährdet. Doch kann ich dem entgegenwirken, in dem ich bewußt aktiv bleibe.
Das tägliche Laufen ist dann ein wichtiges Element für mich. Wirklich immer jeden Tag bei Wind und Wetter raus und eine Runde drehen, mal mehr mal weniger. Bin ich erstmal draußen und warm gelaufen, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, was mich Zuhause eigentlich aufhalten wollte. Das Einatmen der großen Portionen Sauerstoff bringt Körper und Geist in Schwung, die Sinne werden wieder munter, fangen an zu fühlen und zu genießen. Das Eintauchen in das Grün, in das vertraute Stück Grün, dass doch jeden Tag ein bißchen anders ist. Es ist mein kleines Stück Heimat geworden. Es läßt den Lärm und die Hektik der Großstadt schnell vergessen. Ich sehe häufig Kaninchen und Eichhörnchen. Elstern und Rabenvögel haben Hochsaison, es riecht nach feuchtem Laub, was nun in Massen auf dem Boden liegt. Manchmal laufe ich Slalom um die Pfützen herum, manchmal tapse ich auch einfach dadurch. Mein Körper ist längst auf Betriebstemperatur, der Schweiß fließt wie immer am ganzen Körper. Ich fühle mich wohl. Die Augen können sich nicht satt sehen an dem bunten Laub. Mein Blick geht rüber zum See, der ganz still daliegt. Wo soll da noch Platz sein für ein Depri-Loch? Es hat keine Chance.
Als ich heute nach dem Laufen die Treppe hochging, begegnete mir mein Nachbar. "Na, wieder gelaufen? Wieviel laufen Sie denn so jeden Tag? 30 Minuten vielleicht?" Ich komme gar nicht zu einer Antwort. Er erzählt mir, dass er gerade heute sein Fahrrad, womit er jeden Tag gefahren ist, nun in den Keller gestellt hätte. Kälte und Wind haben ihm nun das Radfahren vereitelt. Ich war kurz davor ihm zu sagen, er sollte es doch mal mit Laufen oder wenigstens Walken versuchen. Doch ich ließ es sein. Ich will keinen bekehren. Er sieht, dass ich jeden Tag laufe. Das muss reichen.
Mir ist das Laufen gerade in dieser Jahreszeit wichtig, vor allem wirklich das tägliche Laufen. Jeder Tag hat seinen Rhythmus, wo das Laufen seinen festen Platz hat. Ich komme gar nicht erst in die Versuchung, auch nur einen einzigen Tag nicht zu laufen und das ist gut so. Es ist so selbstverständlich geworden, wie das Zähneputzen, Essen, Schlafen usw. und mir so viel wert geworden. Es hilft mir, mich auch in Zeiten wie diesen aufrecht zu halten. Ich laufe jeden Tag sehr gerne und das ist es mir wert.