Meine Lauferlebnisse, Ziele und Tagtägliches sollen hier erscheinen. Vielleicht interessiert das ja andere Menschen?
Das Laufen ist wieder meine Leidenschaft geworden. Vor etwas vier Jahren fing ich damit wieder an.
Davor hatte ich einen Schrebergarten. Da gab es immer viel zu tun. Eine ganze Zeit lang mochte ich die Gartenarbeit sehr. Doch irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt. Ich war immer viel alleine in meinem Garten und sah, wie die Besucher in den Gärten um mich herum häufig ein- und ausgingen. Nur ich war irgendwie immer allein, saß alleine in meinem Gartenstuhl, wenn die Sonne schien, machte die Arbeit alleine, erntete, was es zu ernten gab alleine. Mit der Zeit zog mich dieser Zustand immer weiter runter. Die Gartenarbeit wurde auch immer mehr zur Arbeit und machte längst nicht mehr so viel Spaß wie noch zu Beginn.
In der Kur dann Anfang 2008 spürte ich dann, wie gut jegliche Form von sportlicher Aktivität mir tat. Neues altes Leben wurde in mir geweckt. Es war nicht nur für den Körper gut sondern vor allem auch für die Seele. Mir fiel auf, wie sehr mir doch die Bewegung in all der Zeit gefehlt hatte. Ich erinnerte mich auch an die vielen Bekanntschaften und Happenings, die durch die frühere Lauferei entstanden. Irgendwie sehnte ich mich danach zurück.
Zuhause wieder zurück von der Kur war es schnell klar, dass ich mein Leben verändern musste. Die Gartenzeit sollte beendet werden. Es war einfach nicht meine Welt. Es zog sich noch einige Monate hin, bis dass es endlich soweit war und meine Gartenzeit tatsächlich ein Ende fand. Ein wenig schmerzhaft war es schon. Mein Garten war auch ein schöner Ort mit vielen Blumen, mit vielen Erfahrungen, mit dem Ernten vieler Leckereien, aber eben auch ein Ort der Einsamkeit für mich, die mich auf Dauer zermürbte.
Die ersten Tage ohne Garten fühlten sich noch ungewohnt an. Häufig ging ich spazieren und genoß das sehr. Irgendwann lief ich dann endlich mal ein paar wenige Schritte. Ach, wie gut das doch tat. Klar, Ausdauer und Kondition waren nicht vorhanden. Aber ich sah bei meinen Spaziergängen in die Gesichter der Läufer, wie sie verträumt, entspannt, gelassen und zufrieden ihres Weges liefen. Da wollte ich auch wieder hin. Das war im August 2008. Damals wollte ich einfach nur wieder eine schöne Runde laufen können. Einmal ohne Pause um den Töppersee laufen zu können war mein Ziel, für das ich mir genügend nehmen wollte.
Doch noch bevor ich dieses Ziel erreicht hatte, waren da schon wieder ganz andere, höhere Ziele. Schon bald hatte ich diesen Blog hier, dann wurde ich Täglichläuferin und zwar mit großer Leidenschaft. Doch auch das reichte mir nicht. Nein, ich wollte nicht nur einfach jeden Tag laufen. Nein, immer wieder las ich von den tollen Leistungen anderer Läufer. Auch las ich Bücher von Leuten, die scheinbar unendlich weit laufen konnten zu allen möglichen Bedingungen. In mir wuchs der Ehrgeiz. Auch stellte ich mir die Frage, wie weit ich es wohl bringen könnte. Wie weit kann ich laufen, wenn ich es will? Und wie schnell kann ich noch mal werden?
Letztes Jahr habe ich es immerhin zu 100 km im Rahmen eines 24-Stunden-Laufes gebracht. Ich war mächtig stolz. Auch das reichte mir noch nicht. Nein, der Schnitt der täglich Kilometer, der wöchentlichen, der monatlichen, der jährlichen musste immer mehr werden. Und es sollte auch nicht nur immer flach gelaufen werden, nein Hügel mussten her, je höher je besser. Das ging ja auch eine ganze Zeit lang gut und machte mir Spaß.
Was mir in dieser Zeit auch ganz besonders viel Spaß gemacht hat, waren die vielen Bekanntschaften, die ich nicht nur virtuell sondern auch persönlich machen konnte. Das waren echte Highlights, die ich auf keinen Fall mehr missen möchte. Die Zeit der Einsamkeit in meinem Garten habe ich ganz bestimmt nicht vergessen und umso wertvoller scheint mir auch heute noch jeder einzelne Kontakt zu anderen Menschen. Ich bin eh der Typ, der sich viel zu schnell und leicht in sein Schneckenhaus zurückzieht. Ist nicht immer gut.
Mit meinem wachsenden Ehrgeiz und den nicht enden wollenden heroischen Zielen gab es gute und auch weniger gute Tage, wie in allen Bereichen des Lebens. Irgendwann nahmen die weniger guten Lauftage zu. Meine Lauflust ließ häufig sehr zu wünschen übrig. Dennoch blieb ich am Ball. Ich lief, so wie es mir möglich war weiterhin jeden Tag. Ich habe nicht vergessen, was mir das Laufen alles für schöne Stunden und Begegnungen gebracht hat. Das will ich nicht so einfach aufgeben. Auch wenn es manchmal schwer fiel, ich biß die Zähne zusammen und lief weiter mein Pensum durch jeden Tag.
Mittlerweile habe ich mein Pensum aber wieder reduziert. Ich laufe wieder viel mehr so, wie mir eben gerade ist. Das bekommt meiner Lauflust viel besser. Wenn ich Lust habe, laufe ich etwas mehr. Und an anderen Tagen eben einfach viel weniger. Es gibt auch Tage, wo ich wirklich nur den reinen Streak laufe, also 1,6 km. Hauptsache aber, ich laufe und bleibe am Ball.
Die Bewegung an der frischen Luft ist immer wieder eine sehr angenehme Sache für mich. Das Entspannen und Wohlfühlen im eigenen Körper, der Aufenthalt in der Natur und das Beobachten der täglichen Veränderungen dort, das Ertragen und Auseinandersetzen mit diversen Bedingungen wie der Witterung und auch anderen Dingen, machen einen zufriedeneren Menschen aus mir.
Am aller wichtigsten sind mir aber nach wie vor die Begegnungen mit anderen Menschen sowohl virtuell als auch tatsächlich persönlich. Dieser Blog war quasi die Grundlage jede einzelnen Begegnung. Das wurde mir in den letzten Tagen klar. Deshalb war die Zeit mehr als reif für einen neuen Artikel. Ich will mich bemühen, künftig wieder häufiger zu schreiben.
Hohe läuferische Ziele sind in meinem Kopf wieder geschrumpft. Viel wichtiger als heldenhaftes Laufen ist doch das Wohlfühlen im eigenen Körper, im Jetzt und Hier. Soll der Rest der Welt laufen, was jeder einzelne meint, laufen zu müssen. Ich mach mein eigenes Ding. Ich freue mich, dass ich jeden Tag laufen kann und will mich bemühen, wieder häufiger darüber zu berichten.