Meine Lauferlebnisse, Ziele und Tagtägliches sollen hier erscheinen. Vielleicht interessiert das ja andere Menschen?
Die Zeit bleibt nicht stehen, niemals. Sie geht immer weiter.
Der Winter macht sich dieser Tage doch recht früh breit. Schnee ist hier noch keiner gefallen, doch es ist kalt und man hat das Gefühl, es kann nicht mehr lange dauern, bis auch hier alles weiß ist. Man kann es mögen oder auch nicht, man ändert nichts dran. Also besser, man versucht die positiven Seiten zu sehen. In 94 Tagen ist schon wieder März und der Winter hoffentlich vorbei.
Als ich dieser Tage die ersten Meter meiner täglichen Laufrunde auf der Straße lief, dachte ich daran, wie ich im Sommer, als es so heiß war, um jeden Zentimeter Schatten dankbar war. Nur eine halbe Stunde später wie gewöhnlich da lang zu laufen, brachte den Unterschied. Wenn ich nun da lang laufe, ist da weder Sonne noch Schatten. Es ist einfach nur sehr kalt, vor allem wenn man gerade erst los gelaufen ist. Die Frau, die oft vor der Reinigung auf einem Stuhl da saß, mich nur freundlich grüßte, wenn ich es zuerst tat, ist nun lange schon nicht mehr zu sehen. Auch die Kinder, die am Ende der Straße häufig mit dem Ball spielten, sind nicht mehr zu sehen. Das Straßenbild hat sich mit der Jahreszeit doch sehr verändert. Nur ich laufe nach wie vor jeden Tag hier lang und fühle mich frei und unbeobachtet. Ob andere es mitkriegen, registrieren oder nicht, weiß ich nicht. Es ist mir auch egal.
Am See angekommen merkt man auch hier die Veränderung. Im Sommer lagen Menschen nur in Badehosen bekleidet dort auf den Wiesen. Es wurde gegrillt, gelacht und viel erzählt. Häufig fühlte ich mich von vielen Augenpaaren beobachtet, mit einem mir manchmal nicht ganz so wohligem Gefühl. Man ahnt, was mancher über das, was ich tue, denkt und fühlt sich nicht mehr ganz so frei. Nun ist hier kein Mensch mehr auf der Wiese. Man sieht nur dick eingemummte Hundeführer, Walker und ein paar weniger andere Läufer. Es wird wieder viel mehr gegrüßt. Man ist wieder unter sich. Der Kinderspielplatz ist menschenleer und es ist eine angenehme Ruhe hier. Gänse sind leider keine mehr zu sehen. Nur heute morgen sah ich eine große Schar am Himmel im Formationsflug über mir. Sie sind an ihrem lauten Geräuschen unverkennbar. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie mag ich diese Wildgänse. Ein paar Enten und auch Schwäne schwimmen auf dem See. Friedlich ist es hier, schön.
Heute war ich kurz hoch ein kleines Stück in den Feldern. Gleich merkte ich den Unterschied. Der See liegt ein bißchen tiefer als der Rest und ist durch die Sträucher auch ein wenig vom Wind geschützt. Oben auf den Feldwegen ist das völlig anders. Es fühlt sich gleich kälter an. Der kalte Wind, der eigentlich nur ein laues Lüftchen, aber eben sehr kalt ist, hat hier eine ganz andere Wirkung. Fühlte ich mich unten am See noch gut und warm eingepackt, habe ich hier oben das Gefühl, es hätte noch eine Schicht mehr sein können. Auch eine Mütze wäre heute hier angenehm gewesen. Aber es war nur eine kurze Stippvisite und für das nächste Mal weiß ich ja nun Bescheid. Obwohl ich fast jeden Tag am See lang laufe, genieße ich es jedes Mal und jetzt, wo man dieses Reich viel mehr für sich hat, noch viel mehr. Das sind eindeutig die positiven Seiten dieser Jahrezeit.
Auch ist es mir immer wieder gerade am Ende eines jeden Laufes fast wie ein Wunder, dass ich, egal wie kalt es auch ist, am Ende immer naß geschwitzt bin. Richtige Schweißperlen sind auf der Stirn, meine Haare sind naß und es tropft von mir. Es sind für mich Zeichen von Kraft und Energie, die der menschliche Körper auszustrahlen im Stande ist.