Meine Lauferlebnisse, Ziele und Tagtägliches sollen hier erscheinen. Vielleicht interessiert das ja andere Menschen?
Solange laufe ich nun schon täglich. Das ist schon ein bisschen mehr als ein Jahr. Jeden Tag einmal die Laufsachen anziehen, die Laufschuhe schnüren, den Garmin ans Handgelenk, die Treppe herunter, die Türe hinaus, die Straße überqueren und dann geht's los. Ich falle vom Geh- in den Laufschritt. Ganz langsam verändert sich die Atmung und der Puls. Nach ca. 10 - 15 Minuten schwitze ich, meistens läuft mir der Schweiß an der Stirn, dem Gesicht und den Rücken herunter. Die Gedanken suchen und finden ihren eigenen Weg. Manchmal lache ich, manchmal weine ich, je nachdem, was mir gereade so durch den Kopf geht. Ich suche meinen Wohlfühlrhythmus und finde ihn auch meistens. Hektik uund Stress haben jetzt keine Chance.
Meistens führt mich mein Weg zum nicht weit entfernten Töppersee, einige wenige Male auch zu den Friemersheimer Rheinauen und ein paar mal mehr vorbei am Töppersee hoch zu den Feldern in Moers-Schwafheim, -Holderberg und Rumeln-Kaldenhausen. Das sind in der Regel meine Wege, die ich laufend erkunde, tagein, tagaus, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, egal ob die Sonne scheint, der Himmel blau ist oder voller Wolken, ob es stürmt, regnet, schneit, manchmal sogar blitzt und donnert. Seit ich täglich laufe, sehe ich nur zum Wetter hinaus, um die richtige Kleiderwahl treffen zu können. Ansonsten ist es völlig egal, gelaufen wird auf jeden Fall.
Ich sehe die Welt so nach und nach mit anderen Augen. Ich sehe bei dem, was sich so im Laufe der Zeit verändert, genauer hin. Auch nehme ich immer gelassener hin, dass man sich jeden Tag ein bisschen anders fühlt. An manchen Tagen laufen die Beine wie ferngesteuert einfach nur locker, leicht und gut und anderen eben nicht ganz so. Doch die leichten, lockeren Läufe nehmen immer mehr zu. Auch die eigene Belastbarkeit nimmt in vielen Bereichen des täglichen Lebens zu.
Jedoch die Bereitschaft, meinen eigenen täglichen Lauf für irgendetwas anderes zu opfern, nimmt stark ab. Ich erkenne den Nutzen, spüre das Wohlbefinden und die daraus resultierende Wichtigkeit für mich. Was ist denn wichtiger, als mich im eigenen Körper wohl zu fühlen? Laufen - Täglichlaufen ist nicht alles im Leben, doch ohne dem würde mir was fehlen. Der Mensch ist nicht zum Stillstehen/-sitzen geboren. Unsere Körper sind dafür geschaffen, sich viel zu bewegen. Unsere Welt ist modern. Maschinen nehmen uns viele Mühen ab. Autos, Busse, Bahnen, Flugzeuge bringen uns schnell dahin, wohin wir gerade wollen oder müssen. Dafür prasseln jeden Tage so viele Informationen auf uns ein, nicht zu vergessen bleibt der Lärm, den eine Großstadt ständig gnadenlos über uns ausschüttet. Ständig müssen wir an vielen verschiedenen Fronten funktionieren und zwar perfekt. Da wird nur äußerst selten gefragt, wie wir uns dabei fühlen und ob wir dem gewachsen sind. Immer, jeden Tag müssen wir perfekt funktionieren. Irgendwie ist das Alles der helle Wahnsinn!
Doch mein täglicher Lauf bringt mich jeden Tag ein Stück zu mir zurück, ein kleines bisschen "back to the roots".
400 mal nun tagtäglich und nicht einen einzigen Tag, keinen einzigen Schritt bereut.
Das hätte ich mir vor 400 Tagen so wirklich nicht vorstellen können.