Wie die ganze Woche über war ich auch heute bereits um 5.00 Uhr wach. Ich frühstückte früh, erledigte meine Morgengymnastik, füllte mein Camelbak, zog meine Laufsachen an und um 6.00 Uhr begann mein heutiger Lauf bei blauem Himmel und Sonnenschein pur. Die Temperaturen waren um diese Zeit noch angenehm kühl. Meinen Beinen merkte ich die frühe Tageszeit an, sie waren noch recht schwer am Anfang. Es dauerte eine ganze Zeit, bis ich meinen Tritt gefunden hatte. Aber es stand ja ein langer Lauf an, wo noch genügend Zeit dafür da war.
Ich lief kurz am See vorbei, dann am Schwimmbad und hoch zur Eisenbahnbrücke, wo ich eine erste kleine Gehpause zum Trinken einlegte. Als ich dann die Brücke abwärts lief, fühlten sich meine Beine deutlich leichter und lockerer an. Ich hatte endlich meinen Rhythmus gefunden.
Ich überquerte die Bundesstraße, die um diese Uhrzeit noch nicht so belebt war und befand mich danach in den Feldern von Rumeln. Da die Sonne ihren Zenit noch längst nicht erreicht hatte, gab es da zu Beginn mehr Schatten, als ich erwartet hatte. Die Kornfelder waren in den letzten zwei Wochen, wo ich das letzte Mal hier lief um einiges gewachsen. Die Rapsfelder haben keine einzige Blüte mehr. Am Reitstall vorbei war alles noch mucksmäuschen still, obwohl mittlerweile schon fast 7.00 Uhr sein musste. Mein Weg führte weiter durch die Felder. Ich atmete den Duft von frisch gemähten Heu ein, der mich immer an unseren Urlauben auf den Bauernhof im Allgäu in meiner Kindheit erinnert. Ich mag diesen Geruch sehr. Mein Weg war im Prinzip in diesen Feldern gesäumt vom wachsenden Korn, verblühten Raps und frisch gemähtem Heu. Hier ist die Atmosphäre eine ganz andere, eine viel ländlichere als sonst in der Woche am See. Der See mit seinen vielen Freizeitangeboten hat diese Idylle nicht. Es kam ein Stück Straße, die ca. 1,5 km nur geradeaus ging, nicht eine Kurve, nicht ein Knick war da. Direkt dadrüber war die Sonne und schien mir ins Gesicht. Ich hatte kein Käppi auf. Ich wollte die Luft an möglichst vielen Teilen meines Körpers heran lassen. Doch nicht nur die Sonne schien, dort, wo kein Baum ist, nur wenige kleinere Häuser stehen, wehte mir auch der Wind mehr ins Gesicht, als ich mir das vorher vorstellen konnte. Trotzdem mag ich diese Weite, sie hat was von Freiheit. Dann führte mein Weg rechts weiter durch Schwafheim. Dort wechselten Schatten und Sonne sehr häufig und machten das Sehen nicht ganz so einfach. Der Weg ist nicht immer eben gepflastert, hat manchmal kleine Buckel oder auch Löcher, so dass man acht geben muss, wo man hintritt. Ich näherte mich wieder der Bundesstraße, die immer noch nicht so belebt war. Schon war ich wieder am See, es war mittlerweile 8.00 Uhr am Morgen und schon einige Läufer unterwegs. Zwei Stunden zuvor war mir kein einziger Mensch dort begegnet. Ich lief vorbei am Trimmwald, am Heim der Windsurfer und war dann auch schon bald wieder Zuhause. Ich war zwar ein wenig müde, jedoch längst noch nicht am Ende meiner Kräfte. Ich merke, wie wohltuend das Trinken unterwegs ist.
Mein Garmin zeigte mir nach dem Stoppen der Uhr 17,77 km an, die ich in 140,22 Min. bewältigt hatte.
Den letzten Rest meines 800 ml Getränkeinhalts habe ich noch die Treppen rauf zu mir genommen und bin nun mit mir und meiner Welt sehr zufrieden. Will gleich noch mit dem Fahrrad zum Wochenmarkt fahren und sehen, was ich dort an frischem Obst bekommen kann.