Meine Lauferlebnisse, Ziele und Tagtägliches sollen hier erscheinen. Vielleicht interessiert das ja andere Menschen?
Schnee ohne Ende soviel, wie ich es in dieser Region noch nicht erlebt habe, liegt hier überall flächendeckend.
Donnerstag Mittag: Endlich Feierabend, endlich nach Hause, der letzte Arbeitstag in 2010 ist geschafft. Auf dem Weg nach Hause schneit es. Oh wie schön, denke ich, erledige noch schnell die letzten Einkäufe und dann endlich rein in die Laufklamotten. Es sollte eigentlich nur ein kurzes Läufchen werden. Doch es ist so schön durch den fallenden Schnee zu laufen und noch kann man sehr gut laufen. Also laufe ich mein normales Ründchen ohne Abkürzung oder Umkehr. Es tut gut, es macht Spaß, alles ist o.k.
Am Abend hört es nicht auf zu schneien und auch nicht in der Nacht, nicht am nächsten Morgen und den ganzen Tag lang auch nicht. Es sind viele Zentimeter Neuschnee überall auf den Wegen und Straßen. Auf meinem Balkon habe ich mit Zollstock 35 cm gemessen. Mein frühes Morgenläufchen gestaltet sich da schon wesentlich schwieriger als der von gestern Abend. Meine Füße sinken ständig mindestens bis zur Wade in den Schnee. Auf den Straßen ist viel Verkehr, alle haben noch irgendwas zu erledigen. Das Laufen auf der viel befahrenen Straße lasse ich daher lieber. Ich begebe mich auf den völlig ungeräumten und eingeschneiten Radweg, der unter dem Schnee uneben und unangenehm zu laufen ist. Ich laufe bis zum See, biege den Weg ein und versinke bis zum Knie in den Schneemassen. Ich laufe noch ein kurzes Stück weiter, bleibe stehen, sehe mir den völlig zugefrorenen See an, die tief liegenden Wolken, aus denen jede Menge weiterer Schnee fällt. Ich überlege, langsam mit Gehpausen einmal drum rum oder lieber wieder zurück? Es ist Heiligabend, ich habe noch einiges vor heute und scheue die Mühen eines weiteren Laufens. Nein, ich kehre um und laufe die Straße hoch wieder zurück. Für 2,2 km brauche ich tatsächlich 18 Minuten, selbst für mich lahme Ente sehr langsam und sehr anstrengend.
Ich rufe meine Eltern an, die vor hatten, am Abend zu mir zu kommen. Wir drehen alles um. Sie bleiben Zuhause, ich packe alles ein und stapfe später durch den tiefen Schnee zu ihnen hin. Ich bin keine 75 Jahre alt und halte es für die bessere Lösung. Es war aber kein langer Abend. Es schneite noch immer ohne Unterbrechung vom Himmel. An den Straßenrändern türmten sich die von den Menschen weggefegten Schneemassen meterhoch. Endlich haben wir mal richtig weiße Weihnachten. Mein ganzes Leben hatte ich davon geträumt. Doch nun ist es so viel Weiß, dass man das Auto besser stehen läßt, es einem fast Angst einjagt und ehrlich gesagt auch mir ein bißchen viel ist. Für diese Region ist das Alles völlig ungewohnt. Ich scheue ein wenig den einsamen Fußmarsch im Dunkeln. Daher war ich früh da und auch recht früh schon wieder Zuhause. Das so viele Weiß macht Weihnacht doch ganz anders.
Heute morgen fällt endlich kein neuer Schnee mehr. Was bin ich mittlerweile froh drum. Der Verkehr auf den Straßen ist noch sehr mäßig. Also beeile ich mich, um früh mein heutiges Läufchen in Angriff zu nehmen. Diesmal laufe ich mitten auf der Straße. Es kommen nur ganz selten Autos, denen ich dann ausweichen oder wenn es gar nicht anders geht, auch mal am Straßendrand stehend an mir vorbeiziehen lassen kann. Aber ich laufe zum größten Teil in den Spurrillen der Autos auf Asphalt. Ich laufe und laufe und laufe. Es tut gut, endlich mal wieder auf so einen Untergrund laufen zu können. Den See lasse ich seitlich von mir liegen. Nee, ich laufe und laufe, bin voll in meinem Element. Ich winke an mir vorbeifahrenden Autos zu, sie winken zurück. Sie sind alle freundlich und mir nicht böse, dass ich ihnen ein bißchen im Wege bin. Eine Stunde war ich schließlich unterwegs größtenteils auf von Autos freigefahrenen Asphalt. Es war schön und gut und hat viel Spaß gemacht.
Später sollte ein Besuch zu meinem Bruder etwas weiter weg von hier auf dem Plan stehen. Dieser wurde aber bereits gestern abgesagt. Die parkenden Autos, die versuchen aus ihren zugeschneiten Parkbuchten zu fahren, scheitern viel zu oft an diesem Versuch. Nein, unter diesen Umständen bin ich nicht bereit eine mindestens 1/2 Std. Autofahrt auf mich zu nehmen. Wieder stapfe ich zu Fuß zu meinen Eltern. Wir verbringen eine angenehme Zeit miteinander. Zeit, die man miteinander verbringen ist schön und wertvoll.
Aber irgendwie habe ich mir weiße Weihnachten immer ganz anders vorgestellt.