Meine Lauferlebnisse, Ziele und Tagtägliches sollen hier erscheinen. Vielleicht interessiert das ja andere Menschen?
Es ist Montag. Ich habe meinen Dienst beendet. Ich ziehe meine Laufsachen an. Die weißen Laufschuhe gehören auch dazu. Sie sind nicht ganz weiß. Ein paar rote und schwarze Streifen sind seitlich angebracht. Doch die Grundfarbe ist weiß. Ein paar Matschflecken sind aber auch schon zu sehen. Es waren in letzter Zeit doch einige Regenläufe dabei. Jedesmal bei dem Anblick dieser Schuhe frage ich mich, was sich Laufschuhhersteller eigentlich dabei denken, ihre Ware ausgerechnet mit der Grundfarbe weiß auszustatten! Ich kaufe meine Laufschuhe nicht nach Farbe oder Aussehen sondern ausschließlich nach drin Wohlfühlen. Daher ist mir die Farbe letztlich egal, aber weiß finde ich dennoch ziemlich merkwürdig.
Heute regnet es auch und zwar schon seit Vormittag ohne Pause. Ich gehe die Treppe hinunter und durch die Haustüre hinaus. Vor der Tür ist seit einiger Zeit eine Baustelle. Gerade sind die Arbeiten wieder voll zugange und es ist tierisch laut. Ich muss einige Autos abwarten, bis ich endlich die Straße überqueren kann. Dann laufe ich los, bloß schnell weg vom fürchterlich lauten Baustellenlärm. Aber der Lärm der Autos auf der regennassen Fahrbahn ist auch nicht ohne. Ich biege ein ins Wohngebiet. Hier ist es ein wenig ruhiger. Dann wieder auf die Hauptstraße raus und wieder dauert es, bis ich endlich die Straße überqueren kann. Irgendwie wirkt bei Regen alles lauter, hektischer, es scheinen mehr Autos auf der Straße zu fahren, schneller, lauter, stressiger... Noch ein paar Meter dann biege ich ein, weg von der viel zu lauten Straße, rein in das so viel ruhigere Grün. Es ist, als würde ich durch eine Wand brechen, eine Lärmschutzwand, die aber tatsächlich gar nicht da ist. Von jetzt auf gleich ist vom Lärm der Straße nichts mehr zu hören. Statt dessen spüre ich erst jetzt so richtig den sanften Regen, der unaufhörlich vom Himmel fällt. Ich spüre ihn nicht nur, ich höre ihn, wie er oben auf das Laub der Bäume fällt, fast wie Wellen am Meer, wie das Klatschen eines Publikums oder vielmehr idyllisch fast ein wenig zärtlich. Es ist ein beruhigendes Geräusch. Der Regen ist nicht kalt und es weht auch kein unangenehmer Wind. Es ist schön so zu laufen. Rechts und links auf dem Weg haben sich Pfützen längst schon zu km-langen Rinnsalen verwandelt. An manchen Stellen hat man gar keine Chance, trockenen Fusses durchzukommen. Nun kriegen meine weißen Schuhe ordentlich Matsch ab. Auch meine Waden bleiben davon nicht verschont. Mir fällt auf, dass mir heute absolut kein einziger Mensch begegnet, auch keiner mit Hund oder walkend oder laufend. Ich bin wirklich alleine in dieser Idylle. Links von mir auf einer Wiese grasen völlig entspannt ein paar Ponys. Mir gefällt der Lauf so wie er ist wirklich gut. Ich fühle mich wohl, habe meine Ruhe, die Beine laufen locker und leicht, ich bin sehr entspannt und genieße. Ich hole mir meine große Portion Sauerstoff für diesen Tag. Auf dem Rückweg am See entlang höre ich auf der gegenüberliegenden Seite häufiger laute Knallgeräusche. Ob da vielleicht Jäger unterwegs sind? Ich komme da aber heute nicht vorbei.
Ich muss wieder zurück auf die laute hektische Straße und zurück zur lauten Baustelle. Mittlerweile richten sich die Bauarbeiter auf den Feierabend ein. Es wird aufgeräumt und die Baustelle verkehrssicher gemacht. Beim Weg hoch in die Wohnung begegne ich einem Nachbarn. Der lacht mich an und fragt, wie man denn bei dem Wetter bloß laufen könne. Ich sagte, dass es mir großen Spaß gemacht hätte. Hätte es vermutlich auch bei Sonnenschein. Es ist doch eigentlich egal, wie das Wetter ist, laufen macht doch eigentlich fast immer Spaß, oder?
Meine Laufschuhe sind nun nicht mehr weiß, sondern vom nassen Regen eher grau. Ein paar Matschflecken sind heute dazu gekommen. So ist es und so soll es sein.