Meine Lauferlebnisse, Ziele und Tagtägliches sollen hier erscheinen. Vielleicht interessiert das ja andere Menschen?
Kaum ist alles voller Schnee, sind meine täglichen Läufe recht einsame geworden. Läufer begegnen mir nun sehr selten, Walker noch weniger. Nur einige scheinbar hart gesottene gehen mit ihren Hunden ihre normale Gassi-Runde.
Ja, es ist kalt und die Wege sind voller Schnee und teilweise auch vereist. Doch gegen Kälte kann man sich warm anziehen. Ich habe eine lange Skiunterhose unter meiner normalen langen Lauftight. Obenherum ein langärmeliges Skiunterhemd, ein langärmelige Laufshirt und eine dicke Laufjacke. Mütze und Handschuhe gehören selbstverständlich auch dazu und manchmal auch ein dicker Schalkragen, der die Halsregion bis zum Kinn gut warm hält. Die Lippen creme ich mir noch dick mit Nivea ein und dann kann es los gehen.
Einziges Handicap ist, dass ich mich mit all den vielen Sachen in meiner Bewegung ein wenig eingeschränkt fühle. Aber mir ist warm und ich fühle mich wohl. Da, wo es möglich ist, laufe ich am Rande der Straße, wo der nackte Asphalt und die Schneeschicht sich treffen. Die Rad-/Fußwege sind doch sehr vereist, so dass ich das Laufen auf der Straße ganz am Rande bevorzuge. Bisher hat es auch noch keine Probleme gegeben, ich achte auf den Verkehr. Am See ist der Weg an den meisten Stellen von den Fahrzeugen der Wirtschaftsbetriebe platt gefahren und nur an wenigen Stellen ein bißchen glatt. Ich komme da sehr gut zurecht. Ich laufe langsamer als sonst, meine Nase läuft immer kräftig mit. Insgesamt ist es nun schon anstrengender zu laufen. Je länger ich unterwegs bin, desto mehr schwinden meine Kräfte. Aber darauf kann ich mich einstellen. Es müssen ja nicht immer die langen Läufe sein. Manchmal bleibe ich auch stehen, stoppe meine Uhr, putze in aller Ruhe meine Nase, schnaufe tief durch, um dann wieder weiter zu laufen.
Der See ist noch nicht wirklich zugefroren. Gestern nachmittag sah es so aus, als wäre auf größeren Teilen die erste zarte Eisschicht zu sehen. Auf der anderen Seite oberhalb des Ufers hing bleiern orange-rot die Sonne und spiegelte sich der ganzen Länge nach im See. Dieser Anblick war fast atemberaubend schön. Hinzu kam, dass weit und breit kein Mensch zu sehen war. Ich stand da und ließ diesen wunderbaren Augenblick in aller Ruhe auf mich wirken. Allein dieser Anblick war es wert, dass ich mich wie jeden Tag zu meinem täglichen Lauf auf den Weg gemacht hatte. Heute morgen lief ich voller Erwartung wieder zu dieser Stelle hin. Doch heute war da weit und breit kein Hauch von Eis auf dem See zu sehen, was mich doch sehr verwunderte. Ich hatte gedacht, mindestens so viel Eis zu sehen wie gestern. Naja, ich muss ja nicht immer alles verstehen. So wie ich gestern nachmittag die orangene Sonne habe untergehen sehen, so habe ich sie heute in genau der gleichen Farbe wieder aufgehen sehen.
Die Masse der Läufer, die ich noch vor einer Woche freundlich grüßen konnte, war gestern wie heute weit und breit nicht zu sehen. He Ihr anderen Läufer, wo seit Ihr denn? Ihr ahnt gar nicht, was Ihr bei diesem Wetter für wunderbare Naturschauspiele verpaßt. Auch bei diesem Wetter kann man noch ganz gut laufen, finde ich.