Und noch ein Gedicht

Unendlichkeit

 

Wer weiß der Vögel Flug,

Und wer den Weg des Windes?

Wer folgt dem Wolkenzug,

Dem Lächeln eines Kindes,

 

Dem Licht im Weizenfeld,

Dem Fall der Regentropfen,

Dem Herbstlied aller Welt:

Früchte, die niederklopfen?

 

Du würdest arm und alt,

Eh dass du könntst durchdringen

Die ewige Gewalt

In den geringen Dingen.

 

Albrecht Goes (1908 - 2000)

 

 

Herbst

 

Um die Großstadt sinkt die Welt in Schlaf.

Felder gilben, Wälder ächzen überall.

Wie Blätter fallen draußen alle Tage,

Vom Zeitwind weggeweht.

Ob Ebene und Wald in welkes Sterben fallen,

Ob draußen tost Vergänglichkeit,

Im Stadtberg brüllen Straßen, Hämmer hallen:

Die Stadt dampft heiß in Unrast ohne Zeit.

 

von Gerrit Engelke (1890 - 1918)

 

 

 

Ein grünes Blatt

 

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,

ich nahm es so im Wandern mit,

Auf dass es einst mir möge sagen,

Wie laut die Nachtigall geschlagen,

Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

 

von Theodor Storm

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