Artikel teilen! Von der Unlust bis zum Genuß: Samstag morgen, so gegen 5.00 Uhr bei mir Zuhause liege ich wach im Bett. Ich bin fast immer schon ohne Wecker um ...
Samstag morgen, so gegen 5.00 Uhr bei mir Zuhause liege ich wach im Bett. Ich bin fast immer schon ohne Wecker um diese Uhrzeit wach. Draußen ist es dunkel und auch kalt. Heute ist ein langer Lauf angesagt und ich will wie immer früh raus. Ein bißchen schwer fällt es mir heute schon, so früh aufzustehen, obwohl ich ausgeschlafen bin. Dennoch raffe ich mich auf, bereite mir mein Frühstück und starte in den Tag, wie eigentlich immer. Ich denke mit etwas Unmut an mein heutiges Vorhaben. Zu einem 3-Std.-Lauf fehlt mir die rechte Lust und ich weiß nicht so recht, was ich tun soll. Wie mechanisch geht meine Vorbereitung darauf weiter.
Ich ziehe meine Laufsachen an und so gegen 7.00 Uhr laufe ich tatsächlich los. Ich weiß zwar in welche Richtung ich laufen werde, doch wie weit es heute werden wird, ob es tatsächlich 3 Stunden werden, bezweifle ich noch. Die Strecke, die ich mir heute vorgenommen habe, bietet unterwegs immer wieder die Möglichkeit von Abkürzungen, die ich mir offen halten will, falls sich die Unlust auf dieses Vorhaben nicht in Luft auflöst.
Im Wald ist es noch duster, doch durch den Mond, der hell am Himmel scheint, kann ich genug sehen, um meinen Weg ohne zu stolpern zu finden. Schon bin ich am See, laufe noch immer recht lustlos da lang und irgendwann bin ich dann nach vielen Wochen endlich mal wieder in den Feldern von Rumeln und Schwafheim.
Ich laufe langsam und gemütlich, ich habe es ja nicht eilig und meine Gedanken gehen auf ihre eigene Reise. Ich denke an dies und das und finde mich plötzlich auf einem anderen, als den vorgesehen Weg. Ich laufe drauf los kreuz und quer, weiß teilweise gar nicht so recht, wo ich gerade bin, lasse einfach meine Beine laufen, so wie meine Gedanken im Kopfe durcheinander sind. Ich denke an Gutes, an weniger Gutes, bin kurz optimistisch und dann doch wieder skeptisch und meine Beine laufen und laufen und laufen und finden irgendwie ihren ganz eigenen Weg.
Mittlerweile ist die Sonne längst aufgegangen. Keine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen. Ich genieße jeden Sonnenstrahl und spüre gar nicht, wie meine Beine immer weiter laufen. Mal kommt ein sanfter Wind und schiebt mich von hinten an, ein anderes mal pustet er mir ein wenig ins Gesicht. Als bereits zwei Stunden vergangen waren, dachte ich mir, dass es doch an der Zeit ist, den Heimweg einzuschlagen. Nun lief ich nicht mehr einfach drauf los und querfeldein, sondern der Kopf gewann wieder die Oberhand und wählte den Weg Richtung Heimat.
Die Unlust hat sich mittlerweile tatsächlich gänzlich verzogen. Ich genoß das Laufen in dieser schönen Ecke meiner Heimat bei dieser so wunderbaren Witterung. Ich bin so froh, dass ich dieser Unlust nicht nachgegeben habe, sondern mich aufgerafft habe. Es macht einfach so viel Spaß jetzt und hier zu laufen und das Alles zu genießen. Auch meine Gedanken sind nicht mehr ganz so wirr.
Wieder am See angekommen ist es nicht mehr weit bis nach Hause. Noch immer laufen meine Beine richtig gut. Wenn es nicht auf und ab geht, stelle ich fest, kann ich schon recht weit ohne große Mühe laufen. Das ist schön und ein gutes Gefühl. Stolz kommt in mir auf, über das, was ich in der Lage bin, problemlos zu laufen. Nach tatsächlich 3 Std. (plus 21 Sek.) habe ich meinen heutigen Lauf beendet und 24 kam zurückgelegt. Es hat wieder einmal richtig viel Spaß gemacht und auch gut getan.
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