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Endlich ist Freitag Nachmittag, die Arbeitswoche ist vorbei.
Doch erst zog sich der Tag mal wieder endlos in die Länge, als ich im Büro saß. Draußen sah es zunächst grau in grau aus, aber immerhin trocken. Nur zur Mittagszeit wurde es duster und fing heftig an zu regnen und ich war in Zivil mittendrin.
Naja, sowas haut mich nicht wirklich um.
Dann ist endlich Feierabend. Doch es warten noch ein paar Pflichten auf mich, wie das Einkaufen, der Friseurbesuch und dann endlich komme ich nach Hause. Schnell die eingekauften Sachen noch verstauen und dann..
Ich sehe aus dem Fenster. Es hört gar nicht mehr auf zu regnen, zwischendurch hagelt es sogar richtig doll. Auch das noch, denke ich. Dennoch lasse ich mich davon nicht beirren, weiß die jetzigen unguten Gefühle werden draußen schnell verfliegen. Ich ziehe mich um, ziehe die Laufsachen an, leg den Garmin auf den Balkon, schlüpfe in die Laufschuhe, in die Jacke, noch das Käppi auf, soll mich und vor allem meine Brille vor Regen schützen, dann wieder auf den Balkon, den nun bereiten Garmin ans Handgelenk, den Schlüssel in die Hand, raus aus der Wohnung, raus aus dem Haus.
Es ist gerade mal trocken. Auch gut, ich laufe los und drücke gleichzeitig den Knopf vom Garmin.
Nach wenigen Metern schon biege ich ein in den Wald. Die Wege sind vom vielen Regen ganz schön matschig. Doch was solls, mich stört das nicht. Als ich aus den Wald heraus komme, sehe ich in nicht all zu weiter Ferne wieder neue dicke dunkle Wolken, die auf mein Laufarreal zusteuern. Ich überquere die Straße, laufe weiter. Noch fröstelt es mich ein wenig, es fängt schon leicht an zu tröpfeln. Naja, habe ich mit gerechnet, kein Problem, hauptsache ich kann laufen. Ich denke an den Sommer, wo es manchmal so warm ist, dass man wirklich kaum laufen kann, wo es mir manchmal wirklich sehr, sehr beschwerlich ist mit dem Laufen. Doch heute ist nicht heiß, nicht schwül, es ist kein Glatteis oder Schnee auf den Wegen. Da ist nichts,was mich wirklich aufhalten kann. Ich genieße das und laufe und laufe und laufe.
Am See angekommen ist es da heute menschenleer. Auch das habe ich so erwartet. Ist ja auch heute nix für die vielen Schönwetter-Menschen. Es regnet mittlerweile richtig und außerdem kommt noch ein kräftiger böiger Wind von vorne. Mir macht das nichts, ich kann trotzdem prima laufen. Von weitem höre ich es laut donnern? Was ist das? Ist das ein Gewitter oder kommt es von einem auf der anderen Seite des Sees lang fahrenden Zug? Ich weiß es nicht. Ich laufe weiter, laufe durch Pfützen, stemme mich manchmal auch gegen den Wind, doch ich laufe. ich vergesse den Alltag, die Arbeit, lass alles Unangenehme von mir abfallen, es gelingt mir jetzt gerade richtig gut. Meine Mütze habe ich tief in mein Gesicht gezogen, sie soll ja meine Brille schützen, damit ich auch weiterhin gut sehen kann. Das klappt auch bestens. So laufe ich weiter und weiter.
Ich denke an Udo's Song "Gegen die Strömung, gegen den Wind", eines meiner Lieblingslieder. Irgendwie paßt es gerade jetzt ganz gut, auch wenn der Inhalt dieses Lieder schon ein wenig anders ist. Trotzdem, jeden Tag laufen, sich von nichts und niemanden aufhalten lassen, im Gegenteil, wenn es am widrigsten scheint, ist es fast am schönsten.
Die Beine laufen gut, ich bin schon wieder vom See weg Richtung Heimat, da kommen schon wieder richtig dicke harte Hagelkörner vom Himmel. Erst nur ganz leicht, ich höre es mehr, als dass ich es sehe. Es ist ein ganz anderes Geräusch, ich kann es nur nicht wirklich beschreiben. Dann werden die Hagelkörner mehr und dicker und heftiger, sie knallen richtig auf den Boden, perlen von meiner Jacke ab, pong, pong, pong, macht es. Die Mütze ist immer noch tief in meinem Gesicht, dennoch treffen die Hagelkörner meine Wangen und meine Hände. Es prickelt richtig, so wie zehntausend Nadelstiche. Doch mir macht das nichts. Ich bin mittlerweile patschnass, die Schuhe sind eh schon nach den vielen Regenschlachten des noch jungen Jahres total eingesaut.
Als ich das letzte Stück vom Wald bis zur Wohnung über die Straße, den Asphalt laufe, sehe ich, wie weiß alles geworden ist auf der Straße, auf den Autos, es knirscht unter meinen Füßen, wie grober Kies.
Nun bin ich aber doch wieder Zuhause und es geht mir gut. Da war nichts, was mein Wohlbefinden gestört hat. Es war einfach nur richtig gut! Und morgen früh geht es wieder raus, dann sogar mal wieder etwas länger. Ich freu mich drauf!
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