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Nach langer Zeit hatte ich heute morgen endlich mal wieder einen richtigen Regenlauf.
Es war richtiger Regen, kein Nieselregen oder sonst so was Pseudo-mäßiges, nein richtiger Dauerregen sogar mit ein wenig Wind dabei.
Mit einer winddichten Regenjacke lief ich bei ca. 7 Grad los. Meine Brille habe ich Zuhause gelassen. Es war noch nicht richtig hell. Ist die Frage, ob es heute überhaupt richtig hell werden wird? Naja, egal, ich laufe halt. Nur ohne Brille ist es doch recht ungewohnt für mich. Die ersten Meter fühlen sich unsicher und komisch an. Ich bin schon lange nicht mehr ohne Brille gelaufen, fällt mir auf. Ich kann längst nicht so weit gucken, wie mit. Mein Blick richtet sich daher zwangsläufig viel weniger weit vor meinen Füßen, gerade zu Beginn läuft da ein wenig Unsicherheit mit. Ist auch komisch, was ich von weitem glaube erkennen zu können und was es aus der Nähe gesehen dann tatsächlich ist. Manchmal glaube ich ein Huhn zu sehen oder einen großen Vogel, der da reglos mitten auf dem Weg sitzt. Komme ich dann näher heran ist es statt dessen irgend ein Geäst. In der Ferne wieder eine Bank und was ist da drauf? Sitzt da einer bei dem Regen auf der Bank? Nee, es ist ein Müllbehälter mit ner blauen Mülltüte drin. So geht es mir andauernd, wenn ich ohne Brille laufe. Ist irgendwie ein wenig witzig. Nur mit Brille wäre es bei dem nassen Wetter nicht wirklich besser.
Es hat noch nicht lange geregnet, hat erst kurz bevor ich los bin, angefangen. Aber es regnet in Strömen dicke Bindfäden vom Himmel. Die Wege sind ganz gut zu laufen. Es sind noch keine dicken Pfützen da. Klar, bei dem Wetter ist nicht viel los am See. Nur ein paar Hartgesottene gehen mit ihren Hunden Gassi. An solch einen Morgen grüßen wirklich alle, denen man begegnet. Die Gesichter der Menschen kann ich allerdings unter ihrer tief gezogenen Kapuze nicht erkennen. Ich habe keine Kapuze auf und auch keine Mütze. Ich mag es, vom Regen richtig nass zu werden.
Bei jedem meiner Schritte patscht es mittlerweile erst nur wenig dann etwas mehr und mehr und mehr. Ich denke daran, wie gut es ist, dass es Regen ist und kein Schnee oder gar Eis. Die Wege sind gut zu laufen, nichts ist rutschig und unangenehm. Mir macht es Spaß. Ab und an begegne ich einsamen Menschen mit ihren Hunden. Einmal kommt ein kleiner Hund dem "sitz"-Kommando seines Frauchens unmittelbar in einer großen Pfütze nach. Igittigitt, denke ich, das muss sich doch fürchterlich anfühlen, mit dem Allerwertesten mitten in einer Pfütze rein.... Ich laufe weiter, heute mal auch um den kleinen Binsenteich herum. Ist nur ein kleiner Abstecher, ca. 1,5 km und dann bin ich schon wieder auf meiner gewohnten Runde.
Nun treffen sich gerade zwei Hundefrauchen mit ihren Hunden mitten auf dem Weg. Die eine Frau, mit den wunderschönen Bobtails grüße ich immer. Sie hat ihre Hunde wirklich super im Griff und ich weiß, es ist wirklich kein Problem, hier an ihnen vorbei zu laufen. Doch da ist noch der schwarze Labrador. Frauchen steht neben ihrem Fahrrad und ich laufe mit ungutem Gefühl an den Hund vorbei, der sich sehr für mich interessiert. Frauchen ruft ihn sofort zurück, als er mit mir laufen will. Hinter mir höre ich das nasse Patschen seiner Pfoten auf dem immer nasser werdenden Untergrund. Ich höre, wie er nicht weiter hinter mir hetrabt. Frauchen ist nun auch mit ihrem Fahrrad da. Es kommt zu einem kurzen, aber netten Gespräch. Arthur liebt es offensichtlich zu joggen, wie ich höre. Mittlerweile trabt er neben mir, guckt ab und zu zu mir hoch, richtig nett ist das. Frauchen sagt, er ist schon 11 Jahre alt. Ich sehe, dass Arthur ein wenig humpelt, während er neben mir hertrabt. Mittlerweile ist Frauchen ein Stück weiter vor. Ich sagte zu ihr, ich glaube, er will lieber joggen, statt radeln. Wir lachen beide. Doch dann trennen sich unsere Wege, sie fährt geradeaus, ich laufe rechts rum weiter. Tja, mit so einem lieben Hund würde ich auch gerne häufiger joggen gehen. Das war echt schön, dieses kleine Stück gemeinsam.
Den Rest des Weges laufe ich nun wieder alleine. Am Ende bin ich patschnass und zufrieden.
Ich hatte schon lange nicht mehr einen so schönen Regenlauf gehabt. Ich wußte schon gar nicht mehr, wie gut sich so etwas anfühlt.
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