Sunday, 14. august 2011 7 14 /08 /Aug. /2011 19:06

Vor einigen Jahren gab es eine Zeit, wo ich nicht gelaufen bin, schon mal gar nicht jeden Tag.

Ich hatte einen kleinen Schrebergarten, den ich hegte und pflegte, in dem ich jedoch fast immer nur alleine war.

Ich sah, wie rechts und links in den Gärten von mir die Leute ein- und ausgingen, wie man sich traf, zusammen saß, manchmal auch feierte, Spaß hatte. nur ich war fast immer nur alleine in meinem Garten. Ich arbeitete dort viel und manchmal auch schwer. Doch meine Stimmung ging immer mehr nach unten, ich war richtig depressiv und wußte nicht, wie ich aus diesem Loch wieder rauskommen sollte.

 

Dann Anfang 2008 fuhr ich zur Kur nach Bad Driburg für drei Wochen. Vor allem die tägliche umfangreiche Bewegung, die Ruhe, das auf mich Besinnen ohne Wenn und Aber haben eine Menge bewirkt bei mir. Ich spürte, wie die sportliche Betätigung mir gut tat, wie fast schon vergessen geglaubte Lebensgeister in mir wieder ganz sanft geweckt wurden. Je mehr ich mich sportlich bewegte, egal wie, hauptsache irgendwie, es tat sooo gut. Ich dachte daran, wie ich früher regelmäßig lief und wie gut mir das gefiel.

 

Nachdem die drei Wochen rum waren, stand der Entschluss fast schon fest. Die Zeit meiner Kleingarten-Tätigkeit musste ein Ende haben, hier würde ich dauerhaft nicht glücklich werden. Die Formalitäten zogen sich noch etwas in die Länge, doch Ende Juni 2008 war dann das Ende meiner Kleingärtnerinnen-Zeit besiegelt und das kleine Fleckchen Grün nun nicht mehr Mein.  Es war ein komisches Gefühl.

 

Zunächst ging ich fast jeden Tag ein bißchen spazieren, dehnte die kleinen Spaziergänge aus und ging weiter. Ich sah häufig Walker mit Stöcke und ohne und jede Menge Läufer.

Ich sah in die verträumten Gesichter all dieser Menschen, dachte an früher,die Zeit meiner vielen Läufe, an unseren alten  Lauftreff, wo wir viel zusammen unternommen haben. Es war eine schöne Zeit. Irgendwann war es dann soweit. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlte, wenn man wieder mal läuft. Spontan lief ich los, etwa 100 m und es lief erstaunlich gut. Da war es schon beschlossene Sache, dass ich es noch einmal versuchen wollte mit der Lauferei.

 

Als ich wieder Zuhause war, durchstöberte ich meinen Kleiderschrank und guckte nach, was ich noch an Laufklamotten finden konnte. Viel war es nicht, aber ein wenig war noch da und auch ein Paar Laufschuhe. Am nächsten Tag fuhr ich dann mit dem Auto zum Töppersee zum Trimmpfad, da wo früher unser Lauftreff sich traf. Ich lief und ging immer abwechselnd da lang, drei Runden also so ca. 3 km. Es fühlte sich gut an und auch wieder nicht. Ich war ja nun definitiv ein Neu-Anfänger und spürte das an meiner Atmung, den Muskeln, am ganzen Körper, es war alles andere als leicht und locker.  Doch tief in mir drin war da noch etwas, was sich nun gar nicht mehr zurückhalten ließ. Es war die alte Sehnsucht des Gefühls, wenn man leicht und locker läuft. Da wollte ich noch  einmal hingelangen. Wollte noch einmal wie all die anderen um den See locker und leicht traben.

 

Ich fuhr nun regelmäßig jeden zweiten Tag mit meinem Auto zu diesem Trimmpfad am Töppersee und übte das Laufen. Die Geheinheiten wurden kürzer, die Laufeinheiten länger. Schon bald war dieses Arreal mir nicht mehr groß genug und ich lief ganz um den See herum, immer noch mit Geheinheiten zwischendurch.

 

Doch ich war immer noch alleine. Vom alten Lauftreff war nichts mehr übrig. Auch scheute ich es, einen anderen Lauftreff oder gar Verein aufzusuchen, weil ich doch ziemlich langsam und mickrig unterwegs war, wie mir schien.

 

Als ich eines Tages so im Internet herumsurfte, interessierte ich mich für die Bloggerei. Was ist das? Wie geht das? Wie sieht so etwas aus? Alles, was ich darüber fand, war mir viel zu theoretisch. Um wirklich herauszufinden, wie das so ist mit der Bloggerei gab es nur einen Weg: es einfach mal zu tun. So eröffnete ich also vor ca. 2 1/2 Jahren diesen Blog. Und ich stöberte weiter und fand noch am selben Tag eine passende Lauf-Community dazu. Ich meldete mich an und noch am gleichen Tag fand ich zu meinem Artikel den ersten Kommentar von "Runningpetra", die auch die Community  leitete und mich aufnahm. Wow, das ging ja schnell.

 

Es kamen sogar noch mehr Leute dazu, die ihre Kommentare hinterließen. Das war weit mehr, als ich erwartet hatte. Ich stöberte nun weiter auf den Blog-Seiten dieser Leute herum. Ich spürte, die Läuferwelt, wie ich sie von früher kannte, war nun längst nicht mehr dieselbe. Das Internet bot mittlerweile so viele Möglichkeiten, die ich nun erst so nach und nach für mich entdeckte.

 

Ich wurde auch Mitglied im "Laufforum". Sowohl in diesem Laufforum, als auch bei Runningpetra wurde ich auf das Streakrunning aufmerksam. Ich stöberte mal wieder so rum, was ist denn dieses merkwürdige Streakrunning? Wieso laufen die Leute jeden Tag? Ist das nicht ziemlich abgefahren? Nee, soweit wollte ich es mit meiner Lauferei doch nicht kommen lassen. Doch das Thema kam immer wieder hoch und irgendwie reizte es mich immer mehr. Ich beschäftige mich viel damit, sah mir an, wie die Leute das gestalteten, mit dem Täglichlaufen. Irgendwann stand ich vor der Frage, ob das wohl auch was für mich sein könnte? Oder ob es zuviel ist? Würde es mir gefallen, jeden Tag zu laufen? Hab ich überhaupt Lust und Zeit dafür? Es gab viele Fragen und es gab wieder einmal nur eine Möglichkeit, alle diese für mich zu beantworten, nämlich es einfach zu tun.

 

Nach einem Wanderurlaub auf Madeira war es am 3. April 2009 dann soweit. Voller Ungeduld rannte ich los, nur eine kleine Runde, am nächsten Tag direkt wieder, und am darauffolgenden und vielen weiteren auch immer wieder, jeden Tag. Es fühlte sich so verdammt gut an. Ich lief langsam und gemächlich und stellte fest, wie gut es mir tat. Ich steigerte mein Pensum so allmählich, hatte bald die 100-Tages-Marke erreicht, die 200-Tages-Marke, lief tatsächlich jeden Tag bei Wind und Wetter und hatte so unendlich viel Spaß dabei.

 

Im Streakrunner-Forum habe ich viele nette Leute kennen gelernt. Die Herzlichkeit und der freundliche Umgang miteinander, das sich gegenseitige Motivieren haben mich von Anfang an sehr beeindruckt und mir zugesagt. Hier fühlte ich mich richtig wohl und gut aufgehoben. Ich bewunderte aber noch immer die Menschen, die so viel mehr und länger laufen konnten als ich. Aber ich machte auch weiterhin meine Fortschritte in meinem eigenen Tempo halt.

 

Es kam wie es kommen mußte, irgendwann gab es dann endlich den ersten persönlichen Kontakt aus der virtuellen Welt in die Wirklichkeit. Frank und Heike, Esther und HD und Grobi, sowie Laufpapa und Fee trafen sich mit mir am Töppersee. Wir liefen da gemeinsam rum und hatten viel Spaß dabei.

 

Ein paar Wochen später standen erneut Esther und HD, sowie Rosie und Willi an meiner Seite, als ich zum HM in Duisburg startete. Und wieder ein paar Wochen später traf ich endlich Runningpetra mal persönlich in Breitscheid beim dortigen 24-Stunden-Lauf.

 

Ich könnte es noch weiter ausdehnen, mache es aber kurz.

 

Die Welt von vor drei Jahren ist heute nun wirklich nicht mehr die, von heute. Die Lauferei, die virtuellen Bekanntschaften, von denen viele mittlerweile schöne persönliche Happenings geworden sind, haben mir eine ganze Menge Auftrieb gegeben. Depressive Stimmungen gibt es bei mir nicht mehr. Ich spüre viel Aufwind und genieße dieses mir neue Leben.

 

Ich lache heute das Leben an und es lacht mir so oft volle Kanne ins Gesicht zurück. Mein Leben ist wieder richtig lebenswert geworden. Laufen, ja das Täglichlaufen ist eine Leidenschaft geworden, die ich auf keinen Fall mehr missen möchte. Und erst recht nicht, die vielen Bekannten, ja freundschaftliche Bekannte, vielleicht sogar Freunde, all dies möchte ich nicht mehr missen.

 

Vor drei Jahren bin ich zaghaft und unsicher die ersten Schritte wieder gelaufen und habe es auf keinen Fall bereut. Es ist so schön zu spüren, wie mein ganzes Ich mit dem Ausbau der körperlichen Belastung gewachsen ist. Es ist schön zu spüren, dass es Menschen gibt, die sich freuen, wenn sie mich sehen, wenn man sich umarmen und freude strahlend in die Augen sehen kann. Das ist wirklich richtig schön.

 

Ich kann heute wieder richtig lachen und habe Spaß am Leben. Das verdanke ich dem Täglichlaufen und den Menschen, die es betreiben und mich virtuell und in letzte Zeit immer häufiger auch außerhalb der virtuellen Welt unterstützen. All denen sei an dieser Stelle herzlich gedankt! Ihr habt mein Leben um sooo vieles bereichert!

 

Wohin mich dieser Weg nun wohl noch weiter führen wird? Das kann keiner wissen und das ist auch gut so. Vielmehr möchte ich dieses schöne Gefühl in mir genießen, so gut ich es kann.

 

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von Kornelia - veröffentlicht in: Über das Laufen und Tägliches Laufen - Community: Laufen
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Kommentare

Liebe Kornelia, vielen Dank für diesen schönen, emotionalen Bericht. Ich kann Dich so gut verstehen.
Auch mein Läufer-Leben hat sich durch das Srtreakrunning und die damit verbundenen Bekanntschaften komplett verändert.
Und das nur in eine positive Richtung. Es ist einfach nur schön.
Und ich freue mich auch schon auf den Tag, an dem wir uns begegnen. Ich bin sicher, er wird kommen.
Liebe Grüße
Elke
Kommentarnr1 gepostet von laufmauselke am 14.08.2011 um 20h56

Liebe Elke,

vermutlich machen vielen Streakrunner eine ähnliche positive Entwicklung durch. Ich finde das wirklich bemerkenswert und sollte ruhig öfter mal Erwähnung finden, bei all den vielen negativen Schlagzeilen, mit denen wir im Alltag so bombadiert werden.

Ich freue mich auch schon auf unsere erste Begegnung vielleicht ja schon in wenigen Wochen in Berlin? Das wäre schön.

Liebe Grüße

Kornelia

Antwort von Kornelia am 15.08.2011 um 17h05
Liebe Kornelia,
danke für diesen offenen Bericht.
Ja, es ist eine tolle Sache zu solch einer Gruppe zu gehören.
Die Anteilnahme, das füreinander und miteinander ist wunderschön.
Ich hoffe, wir sehen uns in Berlin und haben etwas mehr Zeit, um ein paar Worte zu wechseln.
Liebe Grüße
Erika
Kommentarnr2 gepostet von Hallo Elke, am 14.08.2011 um 22h49

Liebe Erika,

ja, es ist wirklich schön, zu dieser tollen Gruppe dazu zugehören. Das macht wirklich viel Spaß.

Ich hoffe auch,dass wir uns in Berlin sehen werden.

Liebe Grüße

Kornelia

Antwort von Kornelia am 15.08.2011 um 17h06
Liebe Kornelia,

da hast du einen wirklich tollen und emotionalen Rückblick geschrieben, der mich sehr berührt hat. Ich erinnere mich noch genau an unsere ersten Begegnungen in der virtuellen und später auch der realen Welt.
Du hast dich in den letzten 3 Jahren so toll entwickelt und verändert - und du spürst das ja auch selbst. Ich freue mich einfach mit dir!
Mach einfach weiter so - und wenn wir den nächsten Etappenlauf machen, dann lauf einfach mit und drauflos und mach dir keinen Kopf mehr, daß du "zu langsam" seist. Ein "zu langsam" gibt es nämlich nicht! Jedenfalls nicht bei uns. Es ist die Freude am Laufen, die uns vereint.
Viele liebe Grüße
Petra
Kommentarnr3 gepostet von Petra am 14.08.2011 um 23h02

Liebe Petra,

dieser Bericht ist ein kleines Spiegelbild meiner derzeitigen Stimmung.

Du hast an dieser Entwicklung auch einen nicht unerheblichen Anteil. Ohne unsere Begegnung in dieser virtuellen Welt, wäre es vermutlich nie dazu gekommen. Ist das nicht toll, was alles möglich ist?

Die Freude am Laufen vereint uns alle tatsächlich.

Liebe Grüße

Kornelia

Antwort von Kornelia am 15.08.2011 um 17h04
Liebe Kornelia, ein schöner Bericht, den man überall in allen Krankenkassen, Schulen, Betrieben überall aufhängen sollte, damit auch andere, die ähnlich wie du fühlen und fühlten, den Weg finden, den du für dich gefunden hast.

Genauso geht es mir auch nunmehr seit 32 Jahren , ich bin immer noch dabei, und das Internet hat auch mir noch viel mehr Freuden und Freunde gebracht.

Du hast das Richtige für dich gefunden - wir haben das Richtige für uns gefunden !
Kommentarnr4 gepostet von ultraistgut am 15.08.2011 um 12h39

Ich hätte mir vor drei Jahren echt nicht vorstellen können, wie sich das alles so entwickeln würde. Das ist schon wirklich toll. Deshalb habe ich es auch einfach mal so aufgeschrieben, wie ich es derzeit empfinde.

Dir glaube ich das gerne, dass Du schon viele Freunde durch das Laufen und auch durch das Internet gewonnen hast.

Genau, wir haben das Richtig, genau das Richtige für uns gefunden!

Antwort von Kornelia am 15.08.2011 um 17h09
Das ist eine interessante Entwicklung, die Du bisher durchgemacht hast. Ja, das Täglichlaufen ist schon eine Welt für sich und daß es einen sehr verändern kann, ist ein positiver Nebeneffekt derselben. Sei froh, daß Du diesen Weg für Dich entdeckt hast. Viele Läufer betreiben ihren Sport als verbissenes Etwas, nur mehr und weiter und werden die innere Zufriedenheit nie erlangen, die das Täglichlaufen mit sich bringt. Und wer weiß schon, was die Zukunft noch alles bringen wird?

Mögest Du diesen Weg noch lange beschreiten. Entsprechend wünsche ich Dir viel Gesundheit für die Zukunft.

Alles Gute,

Marcus
Kommentarnr5 gepostet von Täglichläufer am 15.08.2011 um 14h55

Ich bin sehr froh, dass ich diese Kehrtwendung in meinem Leben hinbekommen habe und nun schon eine ganze Zeit jeden Tag laufe und viele neue nette Bekanntschaften im Internet gefunden habe. Das ist wirklich eine tolle Sache!

Täglichlaufen gibt mir eine ganze Menge, vor allem viel Selbstzufriedenheit, aber auch ein wenig Stolz, wenn ich spüre, wie man allmählich körperlich stärker und ausdauernder wird.

Vielen Dank für Deine guten Wünsche!

Liebe Grüße und alles Gute

Kornelia

Antwort von Kornelia am 15.08.2011 um 17h11
Hallo Kornelia,
Dein Bericht spricht für sich selbst. Du scheinst den für Dich richtigen Weg gefunden zu haben. Das ist ja gar nicht so einfach. Weiterhin viel Spaß beim Täglichlaufen, solange es das richtige für Dich ist.
Liebe Grüße
Dietmar
Kommentarnr6 gepostet von Dietmar am 19.08.2011 um 15h42

Hallo Dietmar,

Ja, ich bin auf einem guten Weg.

Wünsche ebenfalls viel Spaß beim Täglichlaufen.

Liebe Grüße

Kornelia

Antwort von Kornelia am 21.08.2011 um 09h02

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