Artikel teilen! 24 - Std. - Lauf in Breitscheid 2011: Als ich am Freitag morgen aufwachte regnete es in Strömen. Ohje, für mein Vorhaben nicht so toll. ...
Als ich am Freitag morgen aufwachte regnete es in Strömen. Ohje, für mein Vorhaben nicht so toll.
Doch gegen Mittag hörte der Regen auf und es kam sogar die Sonne heraus.
Ich machte mich bereit, packte alle meine Sachen incl. Zelt zusammen und fuhr nach Breitscheid zum Veranstaltungsort. Eine kurze Anmeldung, eine Startnummer (34) wurde mir gegeben und dann mache ich mich bereit. Das Zelt wurde aufgebaut, erste Kontakte geknüpft. Schnell verging die Zeit.
Um 18.00 Uhr war dann der Start. Es schien die Sonne und es war fast schon zu warm fürs Laufen. Es ging über eine schöne 5-km-Runde, zunächst durch einen Wald, dann über die Felder und das letzte Stück dann durch ein Wohngebiet. Ich kannte das ja noch vom letzten Jahr.
Auf den ersten zwei Runden lief es nicht so gut, die Wärme machte mir zu schaffen, die Sonne schien hell am Himmel und es gab nicht viel Schatten. Um 19.17 Uhr hatte ich die ersten 10 km geschafft. Puh, wenn das mal gut geht.
Doch dann ging die Sonne allmählich unter und es lief deutlich besser bei mir. Ich hatte längst meinen Rhythmus gefunden und vor allem meinen scheinbar unendlich langen Laufschritt. So gegen 20.45 Uhr war dann die 20-km Marke geknackt.
Um 22.20 Uhr vollendete ich die 6. Runde, da gingen gerade die Straßenlaternen an. Es machte richtig viel Spaß, durch dieses Szenario zu laufen. Auf den Feldern war es sehr ruhig und ich lief meistens einsam meine Runden. Nur wenn ich von jemand anders überholt wurde oder ich andere überholte wurde stets freundlich gegrüßt. Manchmal gab es auch ein "Na, wie gehts alles klar" oder so ähnlich. Das Laufen war sehr angenehm und meine Beine fühlten sich noch immer sehr frisch an.
Der Mond ging auf und stand dick und hell am Himmel, toll sah das aus. Es wurde aber auch kühler und Zeit, dass ich mir eine Jacke überzog. Um 23.55 vollendete ich meine 8. Runde und somit den 40. km. Es war mittlerweile stockduster. Ich hatte mich mit einer Taschenlampe bewaffnet. Die benutzte ich für das kurze Stück durch den Wald, wo es wirklich sehr dunkel war. Der Rest war durch den hellscheinende Mond ausreichend auch ohne Taschenlampe zu sehen. Ich merkte allmählich ein wenig Müdigkeit in mir. Aber noch sollte es ein Stückchen weitergehen.
Ich wurde immer müder, die Augen wollten so gerne zufallen. Die 10. Runde war diesbezüglich ziemlich schwerfällig. So gegen 1.30 Uhr hatte ich diese dann auch vollzogen und beschloss, eine dringend notwendig Schlafpause einzulegen.
In meinem Zelt war es wieder einmal sehr gemütlich und warm. Ich schlief schnell ein, war aber auch schon wieder früh wach. Ich hörte, wie der Wind die Bäume ordentlich durchpustete. Erst mochte ich gar nicht aufstehen, mir taten doch arg die Füße weh. Doch dann blinzelte ich durch die Öffnung meines Zeltes und sah, wie schön klar der Himmel war. So rappelte ich mich doch auf und so gegen 5.40 Uhr lief ich tatsächlich wieder los.
Es war aber nun deutlich schwerfälliger als noch am Tag zuvor. Doch noch vor dem Frühstück um 8.00 Uhr hatte ich meine Km-Zahl von BaLi bereits überschritten und die 13. Runde vollbracht. Es gab ein kleines aber sehr wohltuendes Frühstück. Ich wollte schnell wieder raus auf die Strecke, weil klar war, dass es wieder sehr warm werden würde.
Zunächst kamen aber noch mal Wolken auf, die Jacke kam wieder zum Einsatz. Diesmal aber nur für eine Runde. Danach wurde es erneut warm, wärmer und noch wärmer. Das Laufen wurde von Runde zu Runde schwerer. Am Tag zuvor hatte ich mir noch immer kleine Notizen gemacht. Nun aber nicht mehr. Daher kann ich nix mehr sagen, was wann genau war.
Die Kommunikation unter den Läufern nahm zu. Man kannte sich ja nun schon ein wenig. Die Atmosphäre war wirklich nett und herzlich untereinander. Etwas, was mich sehr beeindruckt hat. Nur wenige liefen noch immer leicht und locker. Nur eine schoß mehrfach an mir vorbei nämlich Konni Bullig. Das war schon ziemlich beeindruckend in welchem Tempo sie da Runde um Runde lief, während ich, wie viele andere auch, da doch ziemlich müde lang schlichen. Doch aufgeben war noch nie mein Ding. Ich hatte vor etwas mehr als einem halben Jahr mir ein Ziel gesetzt. Dieses war nun zum Greifen nah. Ich dachte mir: wenn nicht jetzt, wann denn dann? Meine Rundenzeiten wurden immer langsamer, die Pausen dazwischen immer mehr und auch länger.
Die letzte Pause machte ich nach der 19. Runde. 95 km hatte ich in den Beinen, soviel wie nie zuvor in meinem Leben. Die Füße schmerzten und brannten. Der ganze Körper war so müde. Aber so kurz vor dem vermeindlichen selbstgesteckten Ziel aufgeben? Niemals! Ich gönnte mir noch einmal eine halbstündige Pause, schnürte die Schuhe auf und streckte die Beine von mir. Noch einmal eine Flasche Malzbier, eine Banane, ein Butterbrot und dann wieder die Schuhe geschnürt und los.
Ich ging nur noch auf dieser letzten Runde. Doch in mir wuchs ein ziemlich großer Stolz. Es kamen der 96., 97. und 98. km. Noch einmal am Hof halten, wo der ältere Herr immer Wasser in die Becher für jeden Läufer bereit hiel. Jeder Becher war mit entsprechender Startnummer beschriftet. Eine tolle Idee und eine toller Service!! Es ging ein letztes Mal durch das Wohngebiet. In Gedanken sagte ich schon mal Tschüss! Vielleicht bis zum nächsten Mal?
Dann noch ein Stück die Hauptstraße lang und links hoch zur Sportanlage. Ich ging auf den Zeitnehmertisch zu, wurde registriert und angelacht. Die 100 km warenso gegen 15.45 Uhr tatsächlich vollbracht. Man was war ich stolz. Ich hätte heulen können. Wildfremde Menschen gratulierten mir. Aber ich war auch ganz schön fertig und k.o.
Ich ruhte mich ein wenig aus, Wolken kamen auf, es wurde Zeit, schon mal die vielen Sachen so nach und nach ins Auto zu packen, bevor es regnen sollte. Bis 18.00 Uhr, dem Ende dieser Veranstaltung zog sich die Zeit dann doch noch etwas hin. Es fing leicht an zu nieseln, ich verzog mich in mein Auto. So gegen 18.00 Uhr ging ich dann wieder zum Zentrum des Geschehens. Gleich nur wenige Minuten nach dem offiziellen Laufende sollte die Siegerehrung stattfinden.
Auch ich bekam meine Urkunde:
Es war hart, es war schwer erkämpft, es war eine Willensleistung. Es war nett und herzlich und eine schöne Veranstaltung, die es wert ist, sie immer wieder neu zu besuchen. Ob es nochmal so viele km sein müssen, weiß ich nicht. Aber das ist heute auch nicht wichtig.
Heute, einen Tag danach hält sich der Muskelkater sehr in Grenzen, lediglich die Müdigkeit und allgemeine Erschöpfung haben derzeit die Oberhand. Für ein Streakerhaltungsründchen hat es dennoch bereits gereicht.
Ich bin sicher, die Müdigkeit wird schnell vergehen, nur der Stolz über das Vollbrachte wird noch viel länger anhalten.
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