Erst hatte ich lediglich ein Ticket für das Musical "Hinterm Horizont" in Berlin gebucht. Man hat ja immer die Hoffnung, dass so eine Reise eine ganz besondere
werden wird. Doch wie besonders diese Reise werden sollte, stellte sich erst später so nach und nach und eigentlich erst während der Berlin-Reise heraus.
Am Sonntag morgen ging meine Reise in die Hauptstadt unseres Landes los. Die DB fuhr pünktlich los und brachte mich mit nur wenigen akzeptablen leicht verspäteten
Minuten am Zielort an. Ich suchte mein Hotel auf und machte mich sogleich bereit für eine erste Begegnung.
Mein Weg führte mich mit der Regionalbahn nach Falkensee zu Elke (Laufmauselke), die mich am Bahnhof gemeinsam mit Hartmut dort abholte. Virtuell kennen wir uns,
seit es diesen Blog hier gibt. Doch tatsächlich gesehen haben wir uns an diesem Tag in diesem Moment zum ersten Mal. Es ist schön, wenn man sich unter diesen Umständen das erste Mal gegenüber
steht und in die Arme schließen kann. Eigentlich kennt man sich und doch irgendwie nicht. Es war, wie bei vielen anderen Treffen unter Täglichläufern wieder einmal sehr schön und herzlich. Bei
Kaffee und Kuchen wurden wir schnell vertraut. Man teilt die Liebe zum gleichen Hobby und wir machten uns anschließend auf den Weg zu einem gemeinsamen Lauf.
Wir liefen trotz leichten aber doch permanenten Regens gemeinsam die Heimlaufstrecke von Elke entlang. Es ging zum See hinunter, wo es sehr schön ist. Täglichläufer
lieben ja im allgemeinen die Schönheit der Natur und die Ruhe, die man dort auch gut finden konnte. Es war genau das richtige Ambiente, um sich laufend ein wenig näher zu kommen. Doch wie das so
ist, wenn man eine schöne Zeit hat, vergeht diese viel zu schnell und auch dieser Lauf. Viel zu schnell verging der Rest der Zeit, es war schon dunkel und regnete noch immer, als ich mich wieder
zurück nach Berlin und ins Hotel begab.
Am nächsten Tag erkundete ich dann die nähere Umgebung meiner Unterkunft. Es zog mich zum Brandenburger Tor, Reichstag, Bundeskanzleramt und auch zum Potsdamer
Platz, wo ich mir das Theater, wo das Musical aufgeführt wird, schon mal von außen betrachten konnte. Etwas später stand dann die nächste Begegnung unter Täglichläufern an.
Ich fuhr mit der S-Bahn bis nach Lichterfelde-Ost, wo ich von Erika (Ika) eine weiteren Täglichläuferin und Blogfreundin abgeholt wurde. Zwischen uns hatte es in
diesem Jahr schon eine Begegnung beim 24-Std.-Lauf in BaLi gegeben. Nach einer herzlichen Begrüßung stellten wir beide einvernehmlich fest, dass unser Miteinander und Kennenlernen in BaLi viel zu
kurz gekommen war. Umso besser, dass wir das nun für uns nachholen konnten.
Nach der Ankunft in Erikas Wohnung machten wir uns schon bald auf den Weg zu einem gemeinsamen Lauf.
Der Weg von Erikas Heimstrecke führte uns zum Teltowkanal. Hier läßt es sich unter dem Schutz der Bäume wunderbar am Ufer dieses Kanals entlanglaufen. Der Beginn
unseres Laufes fand im ehemaligen Westen von Berlin statt. Mittendrin machte mich Erika darauf aufmerksam, dass wir nun vom "Westen" zum ehemaligen "Osten" übertraten. Diverse
Hinweisschilder und Info-Säulen markierten den Weg. Hier konnte man nachlesen, wieviele Menschen beim Fluchtversuch ihr Leben lassen mussten. Für mich war das ein sehr bedrückendes Gefühl. Ich
versuchte mich vergeblich in die Situation dieser Menschen rein zu versetzen. Was muss wohl in diesen Menschen vorgegangen sein, die obwohl sie diese Lebensgefahr vermutlich kannten, das Risiko
eingegangen sind? Wie muss es wohl den Angehörigen ergangen sein, als sie vom Tod dieser Menschen erfahren haben? Und heute ist dies ein Ort, wo man in Ruhe und vor allem völlig gefahrlos einen
gemeinsamen Lauf absolvieren kann. Es waren ziemlich gemischte Gefühle in mir.
Als wir wieder in Erikas Wohnung ankamen, hatten wir uns bei einer Pizza noch allerlei zu erzählen, bis dass auch diese Begegnung ihr Ende fand. Sie hat mir viel
Freude und Spaß bereitet. Es war wieder ein richtig schöner Tag in Berlin für mich.
Der nächste Tag begann direkt nach dem Frühstück mit einem Lauf mitten in Berlin für mich. Ich wollte am Ufer des in der Nähe befindlichen Landwehr-Kanals entlang
laufen. Allerdings hatte dieser Weg nichts mit der Schönheit der beiden vorherigen Läufe gemeinsam. Es fuhren viele Autos rechts und links von mir vorbei. Das wahre Laufvergnügen von
Täglichläufern sieht tatsächlich aber anders aus. So hatte dieser Lauf nach nur ca. 3 km auch ein Ende.
Aber das war ja erst der Anfang eines Tages, der noch so viel schöner werden sollte. Ich machte mich dann schon bald auf den Weg Richtung Unter den Linden und
weiter ganz gemütlich ging ich zum Alexanderplatz. Viele, viele Touristen säumten den Weg, ettliche Gruppenreisende waren unterwegs. Die Sonne schien, der Himmel war blau, es war viel Betrieb
hier in Berlin.
Gegen Mittag traf ich dann auf Marcus, dem Täglichläufer und guten Blog-Freund. Virtuell kennen wir uns schon einige Jahre, doch war dies der Moment des ersten
persönlichen Kontaktes. Aufgrund der vielen regelmäßigen gegenseitigen Blog-Besuche hatte ich mich auf dieses Treffen ganz besonders gefreut. Als die Grenzen der Virtualität dann endlich
gesprengt wurden und wir uns gegenüber standen, war es eine sehr schöne, herzliche und freundliche Begrüßung. Obwohl wir uns noch nie wirklich gesehen und auch noch nie miteinander gesprochen
hatten, hatten wir uns sogleich viel zu erzählen. Wir suchten ein in der Nähe befindliches Restaurant auf und hatten nun viel Zeit, uns persönlich kennenzulernen und auszutauschen. Es ist
wirklich erstaunlich, wieviel man sich zu erzählen hat. Die Liebe zum Täglichlaufen, zur Natur verbindet mehr, als man sich das virtuell tatsächlich vorstellen kann. Die Zeit, die wenigen
Stunden, die wir erzählend miteinander verbrachten, vergingen wie im Fluge und auch dieses Treffen hatte ein viel zu frühes Ende.
Schnell noch ein Foto von uns und dann war es schon wieder vorbei mit diesem Treffen.
Doch als wieder jeder seines Weges ging, stellte ich fest, dass es eigentlich noch längst nicht vorbei war. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit, das Austauschen
über Dies und Das beschäftigt mich jedesmal noch sehr lange. Man geht nach solchen Begegnungen nicht so wie man gekommen ist. Man nimm so viel mit vom anderen Menschen. Die Herzlichkeit von
solchen Begegnungen trägt man noch so viel länger mit sich. Dass die Bloggerei einmal zu soviel Freude mit anderen Menschen führen könnte, hätte ich mir vor einiger Zeit tatsächlich nicht
vorstellen können.
Am nächsten Tag lief ich nach meinem Frühstück zunächst Richtung Tiergarten. Hier war meine für heute gewählte Laufstrecke um einiges grüner als noch am Tag zuvor.
Mein Weg führte mich kreuz und quer durch das Grün bis zur Siegessäule und später dann zum Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten.
Bei wiederum strahlend blauem Himmel und Sonnenschein konnte man hier die Vorbereitungen für den Empfang des türkischen Staatspräsidenten später am Tage beobachten.
Hierfür nahm ich mir jedoch nicht so viel Zeit. Ich lief viel mehr weiter entlang am Spree-Kanal hoch bis zum riesengroßen Gebäude des Kanzleramtes. Auch hier hingen überall türkische Fahnen. Es
war wieder mal viel los in Berlin. Ich lief vorbei am Reichstag und dem Brandenburger Tor, schon bald war ich am Potsdamer Platz und dann im Hotel.
Am Abend fand dann das Musical statt, auf das ich mich schon lange gefreut hatte. Um 18.00 Uhr war endlich der Einlass
und um 19.00 Uhr ging die Show los. Ich als großer Udo Lindenberg-Fan habe natürlich schon viele Konzerte von ihm besucht. Hier waren aber heute nicht nur Udo-Fans
sondern auch zahlreiche Menschen, die gerne Musicals besuchen. Die Stimmung im Publikum war längst nicht so euphorisch und gut wie bei allen Konzerten, die ich je zuvor besucht hatte. Doch die
Show über die Geschichte des Mädchens aus Ostberlin war gut und voller Leidenschaft. Meine Hoffnung, Udo hier vielleicht zu treffen, erfüllte sich leider nicht. Als am Ende noch ein paar
Super-Udo-Hits von den Darstellern präsentiert wurden, sprang der Funke dann endlich auf das Publikum über. Endlich musste ich nicht mehr sitzen bleiben, sondern konnte Beifall-klatschend
aufstehen. So hatte auch dieser Tag einen schönen Abschluss.
Am nächsten Morgen nahm ich dann mein letztes Frühstück ein, zog ein letztes Mal in Berlin meine Laufsachen an und lief eine kleine Runde. Diesmal wählte ich den
direkt am Hotel befindlichen Sportplatz. Ich lief ein paarmal hier herum, bis ich meine erforderliche Streak-Distanz zusammen hatte. Danach galt es Koffer packen und mich auf die Heimreise zu
begeben.
Auf dem Weg nach Hause mit dem Zug dachte ich vor allem an die vielen unvergesslich schönen Zusammenkünfte unter Täglichläufern. Jede einzelne davon hat diese
Reise zu einer für mich ganz besonderen gemacht. Herzlichkeit und Menschlichkeit findet man nicht auf den Straßen und den Mauern einer Stadt, sondern eben in den Herzen bei den einzelnen
Menschen. Eine Erfahrung, die mich sehr beeindruckt und glücklich macht. Die Virtualität dieses Mediums hier bietet uns die Möglichkeit solcher tollen unvergesslichen Bekanntschaften, ja
eigentlich Freundschaften. Ich habe so unendlich viel Lust, auf noch viel mehr solcher Treffen. Es macht viel, viel Spaß auf Gleichgesinnte fern der Heimat zu treffen.
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